Nanhermannia komareki , Kunst, M., 1956

Kunst, M., 1956, Nanhermannia komáreki n. sp. eine neue Oribatiden-Art aus Böhmen (Acarina: Oribatei), Acta Societatis Zoologicae Bohemoslovenicae 20, pp. 267-272: 267

publication ID

ORI10620

persistent identifier

http://treatment.plazi.org/id/2D175E56-8885-454B-440F-623B823E34C2

treatment provided by

Thomas

scientific name

Nanhermannia komareki
status

n. sp.

Nanhermannia komareki  n. sp. (Abb. 1)

Etwass grösser und robuster als N. elegantula  gebaut. Länge 535-620 µ, durchschnittlich 588 µ, (20 Messungen), Breite 238-297 µ, durchschn. 272 µ, Verhältnis: Länge zur Breite = 2,16 gegen 2,5 bei elegantula  wie Strenzke angibt. Die Fortsätze am Hinterrande des Propodosomas sind sehr variabel in der Gestalt, schief kammförmig mit längeren Aussenecken, oder in 2 5 fingerförmige Fortsätze, von denen eine meistens längere wird, ausgezogen. Variation ihrer Form zeigt Abb. 2.

Eine ähnliche Ausbildung dieser Fortsätze zeigt die nordamerikanische, von Jacot 1937 wiederbeschriebene N. dorsalis Banks  . Jacot hält dafür, dass sie mit Berlese's N. coronata  identisch ist. Hartmann (1949), der die Typusspezies von Carabodes dorsalis Banks  untersucht hatte, stellt sie jedoch als Synonym zur N. nana  (Nicolet). Es lässt sich nicht voraussagen, ob auch die Jacot'sche N. dorsalis Banks  eine N. nana  (Nicolet ) sei. Revision dieser Tatsachen wäre sehr nötig. Am Rande der Hartmann's Arbeit sei bemerkt, dass seine Nanhermannia hirsuta  nicht mehr zu dieser Gattung gezählt sein kann; sie gehört der Form ihrer Borsten, sowie der Propodosoma-Ausbildung nach in die von Grandjean (1954) aufgestellte Gattung Posthermannia  als zweite Art an.

Mittelfeld des Propodosomas deutlich begrenzt, nach vorne verbreitet , die Seitenkanten massig divergierend ; mit punktstichiger Chagrinierung und kleinen runden kahlen Feldern, die in der Gegend der pseudostigmatischen Organe, der Interlamellarhaare und an den hinteren Fortsätzen kleiner und spärli- werden. Sensillus stark, distal wenig verdickt, mit kurzen rauhen Borsten besetzt. Die Seiten des Propodosomas neben dem Mittelfelde mit grösseren Grübchen bedeckt. Notogaster mit den, für einzelne Nanhermannia-Arten typischen Areoli, die nicht so gross wie bei N. elegantula Berlese  sind und ein bisschen dichter stehen, jedoch grös- als bei N. nana  (Nicolet) erscheinen (Abb. 3.).

Bei näherer Untersuchung konnte ich noch ein weiteres taxonomisch wichtiges Merkmal, u. zw. die Form, Länge und Dicke der Notogaster-borsten, festzustellen. Bei N. komareki  n. sp. sind diese durchschnittlich 150 µ lang, im ersten Drittel ihrer Länge fast gleich stark, dann allmählich verengt und im letzten Drittel in eine feine, lange, wellige Spitze auslaufend (Abb. 4b), wäh- bei N. elegantula Berlese  kürzer, fast bis zu Ende gleich dick sind und erst vor dieser sich plötzlich verjüngen, ohne eine lange Spitze zu bilden (Abb. 4a). Die Borsten bei N. nana  (Nicolet) sind feiner als bei den vorhergehenden Arten, in der Form an N. komareki  n. sp. erinnernd (Abb. 4c).

Die Art wurde bis jetzt nur bei Česká Třebová ( Ostböhmen), und zwar an folgenden Standorten gefunden:

Hügel Kozlovský kopec (640 m ü. d. M.) in nassen Sphagnum- und Polytrichum-Polstern  bei einem kleinen Tümpel (18. 8. 1954, 25. 7. 55 - 11 Stücke) zusammen mit folgenden Oribatiden:

* Nanhermannia elegantula Berlese  , Hypochthonius rufulus C. L. Koch  , Trimalaconothrus novus Sellnick  , * Malaconothrus egregius (Berlese)  , Camisia spinifer (C. L. Koch)  , Nothrus pratensis Sellnick  , Platynothrus peltifer (C. L. Koch)  , Hermannia gibba (C. L. Koch)  , Cymbaeremaeus cymba  (Nicolet), Damaeus clavipes (Hermann)  , Hydrozetes lacustris (Michael)  , Ceratoppia quadridentata (Haller)  , Adoristes ovatus (C. L. Koch)  , Scheloribates larvigatus  (C. L. Koch), S. latipes (C. L. Koch)  , * Ceratozetes furcatus  (Pearce, Warb.), Galumna elimata (C. L. Koch)  , Trichoribates  sp., Punctoribates hexagonus Berlese  , Allogalumna tenuiclava (Berlese)  , Achipteria coleoptrata (L.)  * Parachipteria bella (Sellnick)  , Pelops duplex Berlese  , Steganacarus striculus  (C. L, Koch), Pseudotrittia ardua  (C. L. Koch).

Gleicher Standort, massig feuchter Rohhumus im jungen Fichtenwalde bedeckt von Pleurozium schreberi  (Willd.) Mitten (25. 7. 1955 und 24. 9. 1955 - 21 Stücke) in einer Gemeinschaft von:

Hypochthonius rufulus C. L. Koch  , Malaconothrus egregius (Berlese)  , Camisia segnis (Hermann)  , C. spinifer (C. L. Koch)  , C. exuvialis  Grandjean, Nothrus silvestris  Nicolet, Platynothrus peltifer (C. L. Koch)  , Damaeus clavipes (Hermann)  , * Oppia obsoleta Paoli  ), Oppia nova (Oudemans) sensu v. d. Hammen  , * Liacarus vombi Dalenius  , Oribatula tibialis  (Nicolet), Scheloribates laevigatus (C. L. Koch)  . S. latipes (C. L. Koch)  , * Chamobates incisus  v. d. Hammen, Diapterobates humeralis (Hermann)  , Parachipteria punctata  (Nicolet), Pelops occultus C. L. Koch  , Galumna elimata (C. L. Koch)  .

Südlich von Česká Třebová in triefend nassen Rhytidiadelphus squarrosus (L.)  Warns. und Mnium undulatum  Ehrb. in feuchter Wiese (9. 4. 1955 - ein Stück), wo daneben noch folgende Oribatiden-Arten erbeutet wurden:

Nanhermannia elegantula Berlese  , * N. comitalis  Berlese, Hypochthonius rufulus C. L. Koch  , Thrypochthoniellus setosus  Willmann, Malaconothrus egregius (Berlese)  , Nothrus palustris C. L.  , N. biciliatus C. L. Koch  , Platynothrus peltifer (C. L. Koch)  , Metabelba pulverulenta (C. L. Koch) sensu Kulczynski  , Oppia nova (Oudemans)  sensu v. d. Hammen, * Lucoppia burrowsi (Michael)  , Gustavia fusifer (C. L. Koch)  , Scheloribates laevigatus (C. L. Koch)  , S. latipes (C. L. Koch)  , S. pallidulus (C. L. Koch)  , Ceratozetes cf. minimus  Sellnick, * Trichoribates incisellus ( Kraemer)  , Punctoribates hexagonus Berlese  , Galumna elimata (C. L. Koch)  , Allogalumna tenuiclava (Berlese)  , Achipteria  sp., Pelops occultus C. L. Koch  , * Phthiracarus ligneus  Willmann.

* Diese Arten wurden bisher aus der Tschechoslowakei nicht gemeldet.

Über die ökologischen Ansprüche der neuen Art lässt sich jetzt nur wenig sagen.

Holotypus aus dem Rohhumus im Fichtenwalde (25. 7. 1955) aus Kozlovsky kopec und 32 Paratypen als Dauerpräparate und im Alkohol in meiner Sammlung.

Die für die mitteleuropäischen Arten gestellte Bestimmungstabelle (Strenzke 1953) muss in folgender Weise ergänzt werden**:

1. Hinterrand des Propodosomas jederseits mit einem lang konischen (selten 2 spitzigen ) Fortsatz.................................2

- Hinterrand des Propodosomas leisten- oder breit kammförmig, knotig, mehrzackig oder mit fingerförmigen Fortsätzen........................3

2. Mittelfeld des Propodosomas deutlich begrenzt, vorn verbreitert, Seitenkanten stark divergierend, ausser der feinen punktstichigen Chagrinierung mit grubigen Vertiefungen , die sich von der translamellenartigen Vorderkante bis etwa vor die Interlamellarhaare hinziehen. Seiten des Propodosomas neben dem Mittelfeld kaum skulpturiert. Sensillus deutlich beborstet, gerade oder leicht gebogen. Länge 575 µ, Breite 250 µ. ................................. elegantula Berlese 

- Mittelfeld des Propodosomas schwach entwickelt, scharf begrenzt, verschwindet fast völlig in der starken grubigen bis netzartigen Skulpturierung der Seitenteile des Propodosomas. Länge 525 µ, Breite 210 µ. ........................... areolata Strenzke 

3. Hinterrand des Propodosomas mit einer knotigen Leiste, die den Vorderrand des Notogaster nicht oder nur wenig überragt. Mittelfeld des Propodosomas nach vorn verbreitet, Seitenkanten massig divergierend. Ausser der Chagrinierung sind grubige Vertiefungen vorhanden, die noch gröber sind als bei elegantula  und die sich bis an die knotige Leiste am Hinterrand des Propodosomas hinziehen. Länge 525 µ, Breite 253 µ.............................. nana  (Nicolet)

- Hinterrand des Propodosomas kammförmig, oder fingerförmig, den Vorderrand des Notogaster überragend.............................4

4. Mittelfeld des Propodosomas mit parallelen Seitenkanten, vorn nicht erweitert, nur fein chagriniert, ohne grubige Vertiefungen, Hinterrand des Prodosomas jederseits mit einem 4-5 zackigen, den Vorderrand des Notogasters überragenden Kamm. Länge 535-577 µ, Breite 208-231 µ................ pectinata Strenzke 

- Mittelfeld des Propodosomas vorn verbreitert, ausser feiner Chagrinierung mit kahlen grubigen Vertiefungen, Areoli auf dem Notogaster etwas kleiner und dichter als bei pectinata Strenzke  . Länge 635-620 µ, Breite 238-297 µ............................... komáreki n. sp.

**) Zu den von Willmann für N. comitalis Berlese  angeführten Unterscheidungsmerkmalen kann ich bemerken, dass die erhöhte mittlere Partie des Propodosomas hinter den Pseudostigmata nicht gerade abgeschnitten ist, sondern zwei leicht bogenförmige Fortsätze trägt, die unregelmässig mit einigen kleinen, stumpfen Zähnen besetzt sind. Die Notogaster-Borsten dieser Art sind denen von N. nana  ähnlich, jedoch etwas länger (ca 160). Die Interlamellarhaare erreichen eine beträchtlichere Länge als bei den anderen Arten.

Beim Suchen nach neuer Art habe ich auch andere Nanhermannia-Arten gesammelt. Weil sie bis jetzt aus dem Gebiete unseres Staates nicht gemeldet wurden (ausser der N. nana  aus Rejvíz - Willmann, 1933), gebe ich ihre Fundstellen an (ausser denen, die schon oben angefuehrt wurden).

N. comitalis  Berlese: Südböhmen: Blatná-Obora, Hydrob. Station der biol. Fak. d. Karls-Univ ., Sphagnum  auf feuchter Wiese beim Teiche Vitanov - 5. 9. 1954. - Ostböhmen: Třebovice, in Sphagnum  und Pleurozium schreiberi  (Willd.) Mitten auf feuchter Wiese - 26. 8. 1955.

N. elegantula Berlese  : Mittelböhmen: Kačerovna-Ledce bei M. Boleslav, mässig feuchte Streu- und Rohhumusschicht aus einem Mischwald (Eichen, Kiefer) - 24. 10. 1955.- Ostboehmen : Brandýs n. Orlicí, Tal des Flusses Tichá Orlice, im feuchten Wiesenmoos Mnium cuspidatum (L.)  Leysser - 25. 9. 1955. Rozsocha bei Brandýs n. Orlicí. Buchenmischwald, Rohhumus bedeckt mit Dicranum undulatum  Ehr. und Pleurozium schreberi  (Willd.) Mitten - 30. 10. 1954.

N. nana (Nicolet)  Mittelböhmen: Kačorovna-Ledce bei M. Boleslav, Sphagnum-Polstern aus feuchter Wiese - 24. 10. 1955. - Westböhmen: Trstěnice bei Mariánské Lázně, Sphagnum  aus feuchtem Graben im Fichtenwalde - 22. 4. 1955. (Sphagnum-Probe brachte mir Dr F. Dušková.) - Südböhmen: Blatná-Obora, Hydrobiol. Stat. d. biol. Fak. d. Karls-Univ., Sphagnum  aus feuchter Wiese beim Teiche Vitanov - 5. 9. 1954. Blatná-Kadov, Spagnum aus einem Fichtenwalde (Probe von Dr F. Dušková) - 22. 4. 1955. - Ostböhmen: Třebovice, in Sphagnum  und Pleurozium schreberi  auf feuchter Wiese - 26. 8. 1955.