Poecilochthonius spiciger , Moritz, M., 1976

Moritz, M., 1976, Revision der europäischen Gattungen und Arten der Familie Brachychthoniidae (Acari, Oribatei) Teil 2. Mixochthonius Niedbala, 1972, Neobrachychthonius nov. gen., Synchthonius v. d. Hammen, 195, Mitteilungen aus dem Zoologischen Museum in Berlin 52, pp. 227-319: 254-259

publication ID

ORI10014

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treatment provided by

Thomas

scientific name

Poecilochthonius spiciger
status

nov. comb.

Poecilochthonius spiciger  (Berlese, 1910), nov. comb. (Abb. 8a bis e)

Brachychthonius brevis var. spiciger Berlese  , 1910a: p. 220.

Brachychthonius italicus spiciger  : Jacot, 1936, p. 249, Taf. 20, Fig. 7.

Brachychthonius italicus spiciger  : Jacot 1938, p. 132.

Brachychthonius italicus  : Strenzke 1951, p. 245, Fig. 10 und 11.

Brachychthonius italicus  : van der Hammen 1952, p. 19.

Brachychthonius italicus spiciger  : van der Hammen 1959, p. 20.

Brachychthonius italicus  : Sellnick 1960, p. 81.

Brachychthonius rapoporti  Balogh & Mahunka, 1968: p. 318, Fig. 1, nov. syn.

? Poecilochthonius italicus  : Chinone & Aoki 1972, p. 256, Fig. 60 bis 65.

Brachychthonius italicus  : Niedbala 1972a, p. 37, Fig. 8.

Poecilochthonius italicus  : Niedbala 1974a, p. 472, Fig. 19.

Poecilochthonius spiciger (Berlese)  wird hier im Sinne von Jacot (1936) aufgefaßt, der Brachychthonius brevis var. spiciger Berlese  als Unterart zu Brachychthonius italicus Berlese  , 1910 stellt. Das von Jacot (1936, Fig. 7) gezeichnete Tier stimmt in allen wesentlichen Merkmalen mit den kurzborstigen europäischen Exemplaren überein.

Van der Hammen (1959) kann auf Grund einer Inspektion der betreffenden mikroskopischen Präparate Berleses die Auffassung Jacots bestätigen, daß italicus Berlese  und spiciger Berlese  zwar nahe miteinander verwandt, aber nicht identisch sind. Da zwischen beiden Formen keine morphologischen Übergänge festgestellt werden können und auch eine unterschiedlich weite geographische Verbreitung vorliegt, werden beide als selbstaendige Arten betrachtet.

Der von Balogh und Mahunka (1968) aus Argentinien beschriebene Brachychthonius rapoporti  ist, wie die Überprüfung des Typenmaterials ergab, von P. spiciger Berlese  nicht zu trennen.

Der von Chinone und Aoki (1972) aus Japan beschriebene und abgebildete P. italicus  hat zwar kurze Dorsalborsten wie P. spiciger  , diese sind aber bedeutend dicker gezeichnet. Auch die Stellung der Pygidiumborsten, die Form des Prodorsumprofils und die Dorsalskulptur des Notogaster weichen von den europäischen Tieren ab, so daß hier die Identitaet mit P. spiciger  fraglich ist.

Material: NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund Mf 590, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius italicus  ), Italien, Florenz, Boboli   GoogleMaps, 11.4.1954.  - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius italicus  ), Italien, Florenz, Boboli   GoogleMaps, Gesiebe unter Ilex  , M. Sellnick leg. 15.4.1954.  - NRSt: 2 Ad., Coll. Forsslund, 2 mikroskop. Präparate (sub Brachychthonius italicus  ), Österreich, Leopoldsberg Sued   GoogleMaps, Quercetum, März 1955.  - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius italicus  ), Österreich, Leopoldsberg Sued   GoogleMaps, Wiese, April 1955.  - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund Mf 797, mikroskop. Präparat, Schweden, Skane, Öveds-, 24. 5. 1960.  - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund, mikroskop. Präparat, Schweden, Halland, Onsala, Raö, Lohmander leg. September 1941. 

UNMB: 2 Ad., (sub Brachychthonius italicus  ), Griechenland, Céphalonie, Mont Rudi   GoogleMaps, B. Hauser leg. 31. 3. 1971 (Mahunka 1974, Fundort-Nr. Ke-71/51).  - UNMB: 3 Ad., (sub Brachychthonius italicus  ), Griechenland, Céphalonie, Sami   GoogleMaps, B. Hauser leg. 14. 4. 1970 (Mahunka 1974, Fundort-Nr. Ke-70/31).  - UNMB: 5 Ad., Ungarn, Sikfökut, S. Mahunka leg. 25. 11. 1972.  - UNMB: Nr. 0-295-68E: 2 Ad., Ungarn, Bükkhegi, 1954.  - UNMB Nr. 0-297-68E: 9 Ad., Ungarn, Harmash   GoogleMaps, Qu.-Cot., J. Csiszar leg. 20. 7. 1954.  - UNMB Nr. 0-298-68E: 77 Ad., Ungarn, Cot-Agropyr., J. Csiszar leg. 18. 5. 1956.  - UNMB Nr. 0-299-68E: 3 Ad., Ungarn, Janoshegi   GoogleMaps, J. Csiszar leg. 27. 12. 1959.  - UNMB Nr. 0-302-68E: 1 Ad., (sub Brachychthonius italicus, Mahunka  1966, Lok. No. 1), Italien, Recoaro, Mont Spitz   GoogleMaps, Braunerde.  - UNMB Nr. 0-301-68E: 3 Ad., (sub Brachychthonius italicus  ), Italien, Firenze, Boboligarten   GoogleMaps, E. Piffl leg. 1965.  - UNMB Nr. 0-361-68DAm: 1 Ad., (sub Brachychthonius rapoporti  Balogh & Mahunka, Holotypus), Argentinien, Fanti, Sierra de Cordoba   GoogleMaps, Hung. Soil. Zool. Exp. S. Am., leg. Nr. 320-1, 11. 1. 1966.  - UNMB Nr. 0-362-68/DAm: 6 Ad., (sub Brachychthonius rapoporti  Balogh & Mahunka, Paratypen), Argentinien, derselbe Fundort.  - UNMB Nr. 0-363-68/DAm: 1 Ad., (sub Brachychthonius rapoporti  Balogh & Mahunka, Paratypus), Argentinien, derselbe Fundort, aber leg. Nr. 317-2. 

ZMB Nr. 344/B84: 4 Ad., DDR, Bad Frankenhausen, Suedrand des Kyffhaeusergebirges , Katenburg   GoogleMaps, humoser Boden in einer Schrunde, M. Moritz leg. 10. 11. 1964.  - ZMB Nr. 344/B89: 1 Ad., DDR, derselbe Fundort   GoogleMaps, aber Gras und Wurzelfilz, M. Moritz leg. 10. 11. 1964.  - ZMB Nr. 344/B124: 3 Ad., DDR, Nordrand des Kyffhaeusergebirges , Nymburg   GoogleMaps, Fichten-Birken Jungwuchs, M. Moritz leg. 11. 4. 1967.  - ZMB Nr. 344/B213: 2 Ad., DDR, Muecheln bei Halle, suedexponierter Kalkschotterhang   GoogleMaps, Graswurzelfilz, M. Moritz leg. 29. 11. 1969.  - ZMB Nr. 344/B251: 2 Ad., DDR, Berlin-Buch   GoogleMaps, Stieleichen-Buchenaltbestand, Zersetzungshorizont, M. Moritz leg. 1. 11. 1970.  - ZMB Nr. 344/B269: 1 Ad., DDR, Feldberg, Kreis Templin, Ost-Steilufer am Schmalen Luzin   GoogleMaps, Streuauflage im Buchcn-Erlen-Weißbuchenbestand, M. Moritz leg. 5. 9. 1974.  - ZMB Nr. 344/B291: 1 Ad., Österreich, Süd-Kärnten, Umgebung von Miclauzhof   GoogleMaps, Rotbuchenwald mit Fichten und Föhren, R. Schuster leg. 16. 4. 1961 et ded.  - ZMB Nr. 344/B292: 1 Ad., Österreich, Nord-Burgenland, Umgebung von Donnerskirchen, Leithagebirge   GoogleMaps, Eichen-Hainbuchenmischwald, R. Schuster leg. 30. 9. 1962 et ded.  - ZMB Nr. 344/B289: 1 Ad., Jugoslawien, Istrien, Uferhang des Limski-Kanales   GoogleMaps, R. Schuster leg. 6. 10. 1957 et ded.  - ZMB Nr. 344/U32: 15 Ad., 1 N3, Ungarn, Magyarszek, Nordteil des Mecsekgebirges   GoogleMaps, Trauben-EichenBuchenwald, Bodenauflage, M. Moritz leg. 5. 10. 1964. 

Typus, Locus typicus: Der Typus befindet sich als mikroskopisches Präparat Nr. 83/10 der Coll. Berlese im Istituto Sperimentale per la Zoologia Agraria Firenze.

Der Locus typicus ist USA, Florida, Lake City   GoogleMaps, Moos. 

Beschreibung: Farbe goldgelbbraun. Notogaster breit, mit parallelen Seiten. Dorsalborsten piliform, fein und kurz, nicht die Ansatzstellen der darauffolgenden erreichend. Dorsalfelder glatt und scharf umrandet.

Prodorsum mit breiter Basis am Notogaster ansitzend. Hinter den Interlamellarhaaren im Profil ein fast senkrechter tiefer Absatz (Abb. 8 b), die Interlamellarhaare selbst etwas erhöht stehend. Vor den Lamellarhaaren fällt das Profil gleichmäßig ab. Das Rostrum ist nicht besonders abgesetzt. Die Lateralzähne des Rostrum stellen jederseits einen großen dreieckigen Zahn dar, der aus 4 stark verschmolzenen Einzelzähnen hervorgegangen ist. Die 2 vorderen medianen Dorsalfeldpaare sind am Innenrand mit eingestochenen Punktdellen versehen. Die großen hinteren Medianfelder sind in der halsartig abgesenkten Basis des Prodorsum quadratisch. Die dicht neben ihnen gelegenen Lateralfelder sind ebenso groß und ebenfalls quadratisch. Die prodorsalen Borsten sind fein und kurz. Die Lamellarund Interlamellarhaare sind kürzer als die Rostralhaare. Lamellar- und Interlamellarhaare haben gleichen Abstand.

Der Exobothridialhöcker steht eckig vor und erreicht den Lateralrand des Prodorsum. Die Sensilluskeule ist lang und schlank und allseitig mit feinen langen Borsten weitläufig besetzt. Das durchschnittliche Längenverhältnis zwischen Keule und Stiel beträgt 2,05.

Der Notogaster ist verhältnismäßig breit, mit parallelen Seiten und ohne besondere Schulterbildung. Die Dorsalfelder sind glatt und scharf umrandet, zum Teil erscheinen die Feldränder doppelt konturiert (Medianfelder). Die verschmolzenen Medianfelder des Notogasterschildes Na bilden ein zusammenhängendes Längsband, das in charakteristischer Weise lateral eingeschnürt und durch feine Punktlinien unterteilt sein kann. Die Form dieses Medianfeldbandes variiert von Population zu Population etwas (Abb. 8c). Das am Vorderrand des Notogasterschildes gelegene laterale Schulterfeld ist im lateralen Teil stark bauchig aufgetrieben. Der Kutikularring ist caudal offen und geht hier in das schmale, bis zum Hinterrand des Notogasterschildes reichende Rosettenfeld über.

Die Notogasterborsten sind kurz und fein. Keine Borste erreicht den Ansatzpunkt der nächstfolgenden. Die d1-Borsten erreichen gerade den Hinterrand des Notogasterschildes Na.

Auf dem Pygidium stehen die ps2-Borsten caudo-lateral neben den ps1-Borsten (Abb. 8d) Die ps1-Borsten erreichen gerade den Pygidiumhinterrand. Alle Pygidiumborsten liegen dem Pygidium dicht an.

Poecilochthonius spiciger  ist in Europa die häufigste Art. Ihre vereinzelten Funde in Nord- und Südamerika sowie Japan (?) lassen auf eine kosmopolitische Verbreitung schließen. Da Berlese (1910a, Fig. 40) P. italicus  mit zu kurzen Borsten gezeichnet hat, ist diese häufige Art immer mit P. italicus  identifiziert worden. Die meisten aus Europa gemeldeten Funde dürften sich daher auf P. spiciger  beziehen.

Systematische Stellung: P. spiciger  unterscheidet sich von dem nahe verwandten P. italicus  durch die Größe, die wesentlich kürzeren Dorsalborsten, den offenen Kutikularring, die Form des mit ihm verbundenen caudalen Rosettenfeldes sowie durch die eindeutig caudo-laterale Stellung der ps2-Borste gegenüber der medianen ps1-Borste auf dem Pygidium.

In Europa bevorzugt P. spiciger  gegenüber P. italicus  deutlich die kühleren und feuchteren Standorte. Nur in 2 Fällen konnten bisher beide Arten an einem Standort gefunden werden (ZMB Nr. 344/B291- Österreich, ZMB Nr. 344/B213 und B214 - DDR, Mücheln).