Oppiella confinis (Paoli, 1908)

Beck, L. & Woas, S., 1991, Die Oribatiden-Arten (Acari) eines suedwestdeutschen Buchenwaldes I., carolinea 49, pp. 37-82: 59-61

publication ID

ORI5378

persistent identifier

http://treatment.plazi.org/id/BA1517D0-F24E-1CBE-5BA8-D797A2A0987A

treatment provided by

Thomas

scientific name

Oppiella confinis (Paoli, 1908)
status

 

Oppiella confinis (Paoli, 1908) 

Oppia fallax  (PAOLI, 1908)?, - WILLMANN (1931)

Oppia confinis  (PAOLI, 1908), - BERNINI (1973), PEREZ-lNlGO (1971)

Bestimmung nach PAOLI (1908:65), WILLMANN (1931:130), BERNINI (1973:409)

Länge 300-335 µm, Länge:Breite 1,70-1,95 (10 Ex.)

Kurzdiagnose (Abb. 7, 8)

Rostrum gleichmäßig gerundet mit einer schwachen Andeutung einer "Nase". Lamellarkomplex besteht aus jeweils zwei Teilen, einer hinteren Aufwölbung und einer aus dieser nach vorne herauslaufenden kurzen Lamelle. Lamellarhaar auf der Lamelle, Interlamellarhaar auf der hinteren Aufwölbung. Lamellarhaare einseitig dorsal deutlich beborstet, Interlamellarhaare schwach beborstet. Rostralhaare glatt, nahe beieinander seitlich auf dem Rostrum. Exobothridialhaar auffallend groß, gerade und mit einer Seitenborste. Sensillus nach oben-mediad gekrümmt, spindelförmig, lateral mit 7 deutlichen Borsten und in eine lange schlanke Endborste auslaufend. Bothridium mit einem seitlich- caudalen Höcker. Interbothridiale Kämme ähnlich Wie bei ornata  x-förmig ausgebildet.

Dorsosejugale Linie nicht durchlaufend. 10 Paar Notogasterhaare, mittellang, vorderstes Haar mit ca. 25 µm etwas länger.

Belegmaterial: Stadtwald Ettlingen, Moderbuchenwald, Bodenstreu, H-Schicht, I, II, III/1988, 4 Ex., LNK A 0371GoogleMaps  ; Bodenstreu am Fuß eines Buchenstammes, XI/ 1988 I. WUNDERLE leg., 2 Ex., LNK A 0363GoogleMaps  ; Bodenstreu, H-Schicht, X/1990, 2 Ex., LNK A 0364GoogleMaps  .

Diskussion

Willmann (1931:130) hat in Deutschland mehrfach Oppien gefunden, die er zwischen Oppia fallax  (Paoli, 1908) und Oppia confine  (Paoli, 1908) einordnet. In der Tat sind nach der Beschreibung und auch nach den Abbildungen bei Paoli (1908), auf die wir uns im folgenden beziehen, beide Arten nicht leicht zu unterscheiden. Beide haben eine durchgehend gerundetes Rostrµm, die Rostralhaare stehen seitlich auf dem Rostrum; die Form des Lamellarkomplexes ist sehr ähnlich, ebenso die Stellung der Lamellar- und Interlamellarhaare; der Sensillus ist von ähnlicher Gestalt und außenseits beborstet, bei O. fallax  mit wenigen großen, bei O. confinis  mit zahlreichen kleinen Borsten. Außerdem ist O. fallax  schlanker.

Dennoch sind auch deutliche Unterschiede erkennbar, so daß wir beide Arten für unterscheidbar halten: Der Bereich der dorsosejugalen Linie ist deutlich verschieden - ein bei den Oppiellen allgemein hochwertiges artunterscheidendes Merkmal. Bei O. fallax  läuft die dorsosejugale Linie in ihrem Mittelteil gerade durch - vergleichbar mit O. obsoleta  (vergl. Woas 1986:203, Abb. 100) -, die interbothridialen Kämme sind caudad gerundet und deutlich von ihr abgesetzt. Das Lamellarhaar steht vor der Lamelle. Ein Exobothridialhaar ist nicht gezeichnet und darf daher zumindest als klein unterstellt werden, da ein auffallend großes bei O. confinis  gezeichnet wurde. Bei letzter Art steht außerdem das Lamellarhaar auf der Lamelle und die interbothridialen Kämme verschmelzen mit der dorsosejugalen Linie zu einem Komplex von Kutikularleisten ähnlich wie bei O. ornata  oder O. splendens  .

Unsere Tiere stimmen nun in nahezu allen Merkmalen mit O. confinis  (Paoli, 1908) überein. Insbesondere die ungewöhnlich langen Exobothridialhaare, die Insertion der Lamellarhaare auf den Lamellen und die Ausprägung des Kutikularleistenkomplexes im Bereich der dorsosejugalen Linie machen die Zuordnung recht sicher. Der einzige Widerspruch ist im Sensillus zu sehen, dessen Form durchaus auch der Abbildung bei O. confinis  entspricht, dessen Beborstung aber derjenigen bei O. fallax  gleicht. Da diese Ausprägung eines einzelnen Merkmals unmöglich die Definition einer eigenen, neuen Art tragen kann, bleibt aus der Summe der übrigen Merkmale nur die Identifizierung unserer Exemplare als O. confinis  (Paoli, 1908).

Nach Willmann (1931) lassen sich unsere Tiere eindeutig als Oppia fallax  ? bestimmen. Wir sind der gleichen Meinung wie Perez-Inigo (1971), der die WILLMANNsche Art für O. confinis  (Paoli, 1908) und identisch mit eigenen Exemplaren aus Spanien hält, die allerdings auch den gleichen, mit der Originalbeschreibung von O. confinis  übereinstimmenden Sensillus haben. Bernini (1973) beschreibt O. confinis  unter ausdrücklicher Einbeziehung der Beschreibung von Perez-Inigo (1971) mit einem Sensillus, der "porta sul suo lato esterno minute ciglia di numero variabile "; dabei bildet er neben einem Sensillus, der mit 6 nahezu demjenigen unserer Exemplare mit 7 Seitenborsten entspricht, einen solchen mit zahlreichen Borsten ab, der zu einem neotrichen Exemplar mit 14 Notogasterhaaren gehört. Im Detail weisen nach den Beschreibungen von Willmann (1931), Perez-Inigo (1971) und Bernini (1973) die jeweils zugrundeliegenden Tiere zahlreiche Unterschiede auf, die jedoch keinerlei einheitlichen Trend erkennen lassen und sich somit nicht zur Abgrenzung von Arten eignen. Wir müssen also annehmen, daß O. confinis  (Paoli, 1908) eine morphologisch hochvariable Art darstellt. Ob O. fallax sensu Sellnick  (1960) mit O. confinis  identisch ist, läßt sich derzeit nicht klären, zumal offenbar bis heute kein Wiederfund von O. fallax  aus Mitteleuropa bekannt geworden ist. Auch Weigmann & Kratz (1981) führen O. fallax  nur als Namen ohne Fundzitat auf.

O. confinis  ist in Mitteleuropa bisher nur aus Willmann (1931) unter dem Namen O. fallax  ? bekannt und scheint ausgesprochen selten zu sein. Auch Bernini (1973) erwähnt nur"poche segnalazioni fuori d'ltalia", nämlich die von Perez-Inigo (1971) für Spanien und die von Schweizer (1922) für die Zentralschweiz und den Jura, "tute basate su pochissimi esemplari". In Italien sei die Art zwar weniger selten, aber auch nicht zahlreich. Es dürfte sich um eine eher südeuropäische Art handeln, die in wärmeren Gegenden Mitteleuropas ihre nördlichsten Vorkommen hat, nämlich das hier referierte, sichere Vorkommen im nördlichen Schwarzwald, wobei der Fundort kleinklimatisch allerdings eher als kühl-feucht einzustufen ist, und den Fund von Willmann (1931) "an Rebwurzeln" bei Naumburg an der Saale, was, da im Weinbaugebiet gelegen, auf einen klimatisch bevorzugten Standort schließen läßt.

Bemerkenswert ist, daß O. confinis  in den Jahren 1978- 82 nie in der monatlich untersuchten Bodenstreu gefunden wurde, dagegen in den Proben ab Anfang 1988 in der H-Schicht nahezu regelmäßig, wenn auch immer nur in 1-2 Exemplaren auftritt.

Der Auffassung von Subias & Iturrondobeitia (1980) und Subias & Rodriguez (1986), die O. confinis  zunächst in eine neue Gattung Neotrichoppia  stellen und die Art sodann zum Typus einer neuen Untergattung Confinoppia  machen, können wir nicht folgen. Dadurch würden Arten wie O. ornata  , O. splendens  und O. confinis  , die wir als nahe verwandt ansehen, in zwei oder sogar drei verschiedene Gattungen gestellt werden, was eine Gattung als Ausdruck verwandtschaftlicher Zusammengehörigkeit völlig entwertete.

Notabene: Die Schreibweise des Artnamens ist nach Artikel 32d(ii) des Code International de Nomenclature Zoologique von 1985 korrekterweise von D. confine  in O. confinis  zu ändern, da der Gattungsname feminin ist.