Polybothrus obrovensis Verh.

Karl W. Verhoeff, 1933, Arthropoden aus südostalpinen Höhlen, MITTEILUNGEN über Höhlen- und Karstforschung Zeitschrift des Hauptverbandes Deutscher Höhlenfqrscher Jahrgang 1933, Berlin W. 15: W. JUNK, pp. 1-21: 8-9

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Verhoeff-1933-full-article

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Polybothrus obrovensis Verh.
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Polybothrus obrovensis Verh. 

Dass der in meinem 4. Aufsatz (Mitt. üb. Höhlen- u. Karstforsch. 1930, H. 2, Berlin 1930) beschriebene "Lithobius" obrovensis  kein Lithobius  ist, sondern ein Polybothrus  und zwar ein Jung ♂ der Stufe agenitalis  , habe ich inzwischen bereits in meinem Aufsatze " Beiträge zur Systematik und Geographie der Chilopoden ", welcher in den zoologisehen Jahrbüchern er scheint, besprochen. Dass ich diese Form zunächst für einen Lithobius  hielt und halten musste, erklärt sich daraus, dass Lithobius  und Polybothrus  hauptsächlich durch die verschiedene Zahl und Anordnung der Poren der Coxaldrüsen unterschieden werden, welche letzteren bei Polybothrus  in zwei oder mehreren, bei Lithobius  dagegen nur in einer Reihe auftreten. Bei einem Teil der Polybothrus-Jugendformen aber sind die Poren der Coxaldrüsen ebenfalls nur in einer Reihe vorhanden, wodurch ihre Bestimmung sehr erschwert wird. Dadurch aber, dass STRASSER von obrovensis  die Entwickelten beider Geschlechter auffand, die übrigens zu den schönsten Gestalten der südostalpinen Höhlen gehören, konnte mit Sicherheit die Polybothrus-Natur festgestellt werden. In der genannten Chilopoden-Arbeit begründete ich mehrere Polybothrlts-Untergattungen, von welchen hier die Untergatt. Parapolybothrus  in Betracht kommt, vor allem ausgezeichnet durch sehr kurze Gonopoden des ♂ und sexuelle Anschwellungen innen am Präfemur des 15. Beinpaares des ♂. Bisher gehören in diese Untergatt. Parapolybothrus  die beiden Arten herzegowinensis  und electrinus Verh  ., denen nunmehr als 3. der obrovensis  beizustellen ist.

Von jenen beiden Arten aber unterscheidet sich der obrovensis  durch das völlige Fehlen der Ocellen, die viel höhere Zahl der Antennenglieder, nämlich 71-74 ( während jene nur 50-59 besitzen), die ganz ein gliedrigen Gonopodenhöcker, g Abb. 19, ( während dei den 2 andern Arten diese Höcker zweigliedrig sind) und schliesslich auch durch eine abweichende Auszeichnung am Präfemur des 15. Beinpaares beim ♂.

♂ 22 1/2 mm lg., ganz bernsteingelb, die langen Antennen 73gliedrig, die Glieder der Endhälfte alle viel länger als breit, das Endglied etwa 6 mal länger als breit. Schläfenorgan etwa von der Grösse eines Ocellus, also verhältlieh klein. Die Endkralle der 2. Maxilien mit sechs Zähnchen gekämmt. Coxosternum der Kieferfüsse mit 9+10 Zähnen.

7. 9. 11. 13. Tergit mit abgerundeten Fortsätzen, das 6. an den Hinterecken etwas eingebuchtet, das 10. in der ganzen Breite des Hinterraudes etwas eingebuchtet, das 12. mit abgerundet-rechtwinkeligen Hinterecken etwas vorragend. Die Seitenränder der meisten Tergite sind etwas aufgekrämpt.

1. Beinpaar 2 2 1 / 2 2 2; die Kralle doppelt und mit Nebenstab,

5. Beinpaar 3 2 2 / 3 3 3; 7. Beinpaar 3 2 2 / 3 3 3;

13. Beinpaar 1 0 3 2 2 / 0 1 3 3 3 Kralle doppelt und ausserdem ein Nebenstab von 3/4 Länge der Hauptkralle,

14. Beinpaar 1 0 3 2 1 / 0 1 3 3 2 Kralle mit Nebenkralle, Hüfte ohne Seitendorn,

15. Beinpaar 1 0 3 2 1 / 0 1 3 3 2 Kralle einfach, Hüfte mit einem Seitendorn.

Das Präfemur am 15. Beinpaar des ♂ (Abb. 20) innen vor der Mitte mit starkem, nach innen und oben gerichtetem, stumpfem Zapfen, der etwas beborstet ist, aber doch kein eigentliches Borstenbüschel trägt, am Ende innen nicht knotig, aber mit einer kleinen Borstengruppe. 15. Tergit des ♂ hinten ziemlich tief eingebuchtet.

Alle Tarsen sind zweigliedrig. Die Poren der Coxaldrüsen verteilen sich annähernd auf drei Reihen (Abb. 19).

Zum Vergleich erwähne ich hier noch einige Merkmale der beiden verwandten Arten:

electrinus Verh. 

15. Beinpaar des ♂ am Präfemur in der Mitte innen angeschwollen und mit Haarbüschel, am Ende innen nicht knotig, aber mit dichtem Haarfeld. Antennen 59 gliedrig.

herzegowinensis Verh. 

15. Beinpaar des ♂ am Präfemur in der Mitte innen ohne Anschwellung, aber am Ende innen knotig vorspringend und hier mit Haarbüschel. Antennen 50-52 gliedrig.

Vorkommen des obrovensis  : Am 20. IX. 31 entdeckte K. STRASSER dieses prächtige ♂ in der Medvedova Jama bei Marcovscina in Nordistrien , etwa 2 km WSW von diesem Ort in 540 m Höhe in einem 45 m tiefen Schacht des Kreidekalkes. Es ist eine 300 m lange, grosse Hoehle mit reichlicher Sinterbildung , Temperatur am Schachtgrunde 11 °C. Das Tier befand sich "am Schachtgrunde, auf feinem Geröll mit etwa Humus und spärlichem faulendem Laub bei sehr schwachem Tageslicht." 

Anmerkung: Die Untergattung Parapolybothrus  ist in grossem Bogen um die Adria herum verbreitet, indem herzegowinensis  in Herzgowina Montenegro und Albanien lebt, electrinus  im östlichen Mittelitalien, sodass also der obrovensis  Istriens das nördliche, geographische Bindeglied herstellt.

Kingdom

Animalia

Phylum

Arthropoda

Class

Chilopoda

Order

Lithobiida

Family

Lithobiidae

Genus

Polybothrus

Loc

Polybothrus obrovensis Verh.

Karl W. Verhoeff 1933
1933
Loc

agenitalis

Latzel 1880
1880