I. Polistes . Latr.
Bequaert in seiner vorzüglichen Arbeit (A Revision of the Vespidae of the Belgian Congo with a list of Ethiopian Diplopterous Wasps. Bull. Amer. Mus. of Nat. Hist., vol. XXXTX, 1918, p. 1-384) benutzt zur Einteilung der Gattung Polistes das von Brethes (1903) u. Ducke (1904) in die Systematik eingeführte Merkmal der Struktur der Mesopleuren.
Betrachten 1) wir die Mesopleuren unseres gewöhnlichen Polistes gallicus L., so finden wir in deren oberem Teile hart unter dem Ansatz des Vorderflügels eine vertikale Mittelnaht (ab), welche sich oberhalb der Mitte der Mesopleuren gabelt und einen vorderen Ast (b c) gegen das untere Ende der Pleuren des Prothorax und einen anderen nach rückwärts (bd) gegen die Metapleuren hinsendet. Von den drei Feldern, die so auf den Mesopleuren gebildet, werden, ist das obere, hintere zwischen der Mittel- (ab) und der Mesopleuralnaht (a b d) gelegene das Epimeruni (ein) des Mesothorax. Der vordere Teil der Mesopleuren ist das Episternum(es), welches durch die Fp i ster naln uth (b c) in ein oberes (e s 1) und ein unteres (es 2) Episternatfeld geteilt wird. Das untere Episternalfeld (es 2) ist vom Mesosternum nicht deutlich abgetrennt: nur in dessen vorderen Teil findet sich eine sehr zarte kurze Nut (e); diese Xut treffen wir bei den meisten, wenn nicht geradezu allen Yespiden: sie entspricht der Sternopleuralnaht, welche bei vielen Tenthrediniden die Grenze zwischen Mesopleuren und Mesosternum bildet, überdies findet sich im vorderen Teil des unteren Sternalfeldes (es 2) eine mehr oder weniger deutliche, ziemlich genau vertikal vom Mesosternum bis nahe zur Episternalnaht (b c) verlaufende Falte (1 g) Diese Falte trennt bei vielen Hymenopteren, besonders Grabwespen eine vordere Grube [Epicnemium Thomson, (Kohl), Prepectus ( Snodgraß)J, al>, in welche die Vorderschenkel in Ruhestellung eingelagert werden können . Diese Falte mag daher Epicnemialfalte (fg) (prepectal süture, Bequaert) genannt werden.
Anmerkung. Durch den Umstand, daß ich z. Z. sämtliche äthiopischen Wespen des Berliner Museums, des deutschen entomol. Institutes (Dahlem), des Hamburger Museums und der sehr reichen Sammlung Neaves ans der Gegend des Tanganykasees, die Eigentum des Hopemuseums in Oxford ist, verfüge und selbst eine große Anzahl Vespiden aus allen Teilen Afrikas, besonders aus des südöstlichen Gebiete, wo Missionar Junod sammelte, besitze, steht mir ein ungewöhnlich großes Vergleichsmaterial zu Gebote, was die folgenden Ausführungen berechtigen mag.
1) Ich folge der Darstellung Bequaert’s a. a. 0. St. 253.
Gestützt auf diese Struktur der Mesopleuren teilt Bequaert die Gattung Polistes in folgende 5 Gruppen ein:
1. Typus P. gallicus L. (v. Figur). Mesopleuralnaht, Episternalnut und Fpienemialnalit vorhanden. Zahlreiche Arten aller Faunengebiete.
2. Typus P. canadensis L. Mesopleuralnaht und Epistemalnut vorhanden, Epienemialnaht fehlt, umfal.it die Mehrzahl der nearktischen und einige neotropische Arten.
3. Typus P. bicolor Lep . Epienemialnaht deutlich, Mesopleuralnaht mehr oder weniger entwickelt, Episternalnut fehlt. Zahlreiche neotropische und orientalische Arten.
4. Typus P. madecassus Sauss . Episternalnut und Epicnemialnaht fehlen, Mesopleuralnaht mehr oder weniger entwickelt oder auch obsolet geworden. Zahlreiche äthiopische und orientalische Arten.
5. Typus P. orientalis Kby . bildet eine eigene Gruppe; Episternalnut fehlend, Epicnemialnaht deutlich.
Die Polistes-Arten der äthiopischen Region lassen sich in drei Gruppen unterbringen:
1. Gruppe: Innere Klaue der Mittel- und Hinterbeine beträchtlich größer als die äußere; Fühler des ♂ (soweit dieses bekannt) schlank, sämtliche Glieder länger als breit, auf der Unterseite mit starken
Schwielen (Tyloiden) versehen; Kopfschild gerade abgestutzt. Dahin gehören:
P. madecassus Sauss .,
P. aquilinius R. du Buysson,
P. fastidiosus Sauss .,
P. Bequaerti nov. spec.
2. Gruppe: Klauen symmetrisch; Fühler des o (soweit dieser bekannt) wie bei der 1. Gruppe, doch Schwielen fehlend oder undeutlich; Kopfschildunterrand leicht winklig oder bogenförmig vorspringend: Mesopleuren ohne Epicnemialnaht; Mesopleuralnaht mehr oder weniger entwickelt, Episternalnut fehlend. Hierher gehören:
P. Smithii Saussure,
P. Haugi R. du Buysson,
P. Ellenbergi R. du Buysson,
P. madiburensis nov. spec.,
P. bituberculatus R. du Buysson,
P. albocalcaratus R. du Buysson (?).
3. Gruppe: Klauen symmetrisch; Fühler des ♂ aufgerollt, die Glieder vom 4. an viel breiter als lang, abgeplattet. Kopfschild länger als breit, nach unten verlängert und elliptisch abgerundet. Epicnemialnaht, Mesopleuralnaht und Episternalnut entwickelt. Hierher gehören:
P. marginalis Fab .,
P. badius Gerst .,
P. tenellus R. du Buysson.
Vorläufig nicht unterzubringen sind P. flavipennis Saussure und P. macroephalus Bequaert, da das ♂ unbekannt ist.