Liparis loeselii (L.) Rich.

Zwiebelorchis

Art ISFS: 241800 Checklist: 1027180 Orchidaceae Liparis Liparis loeselii (L.) Rich.

Zusammenfassung

Artbeschreibung (nach Lauber & al. 2018): 10-20 cm hoch, am Grund mit 1-3 lanzettlichen, 4-10 cm langen Blättern . Blütenstand 3-8 (-18) blütig . Blüten gelbgrün . Perigonblätter 4-5 mm lang, abstehend, mit nach aussen gerollten Rändern, daher sehr schmal erscheinend. Lippe etwa so lang wie die Perigonblätter, oval, rinnig gefaltet, abwärts gebogen. Säule (Griffel + Staubblatt) frei stehend, nicht wie bei den meisten Orchidaceae durch die Perigonblätter verdeckt.

Blütezeit (nach Lauber & al. 2018): 6

Standort und Verbreitung in der Schweiz (nach Lauber & al. 2018): Kalkhaltige Flachmoore / kollin-montan / M (besonders MZ und ME), vereinzelt A

Verbreitung global (nach Lauber & al. 2018): Eurosibirisch-nordamerikanisch

Ökologische Zeigerwerte (nach Landolt & al. 2010) 4 + w41-442.g.2n=26,32

Status

Status IUCN: Verletzlich

Nationale Priorität: 4 - Mässige nationale Priorität

Internationale Verantwortung: 1 - Gering Erhalten/ Fördern Gefährdungen Zerstörung des Lebensraums ( Entwässerung, Absenkung des Grundwasserspiegels, Bautätigkeit, Verkehrsanlagen, Industrie, Golfplätze, Siedlungen) Eutrophierung Aufgabe der traditionellen Streuenutzung Invasive Neophyten Ungeeignete Bewirtschaftung (Beweidung) Mechanische Einwirkungen durch Freizeitaktivitäten (z. B. Tritt, Fotographieren) Kleine, isolierte Populationen Schneckenfrass Ungeeignete Pflege (Verfilzte Vegetation durch zu hohen Riedschnitt, Mahd vor dem Absamen, Verbuschung und Verschilfung der Standorte Eintrag von Geschwemmsel durch Seewasserhochstand

Ökologie

Lebensform Geophyt

Lebensraum Lebensraum nach Delarze & al. 2015

2.2.3 - Kalkreiches Kleinseggenried (Davallseggenried) (Caricion davallianae)

fett Dominante Art, welche das Aussehen des Lebensraumes mitprägt Charakterart Weniger strikt an den Lebensraum gebundene Art

Ökologische Zeigerwerte nach Landolt & al. (2010)

BodenfaktorenKlimafaktorenSalztoleranz
Feuchtezahl Fnass; Feuchtigkeit mässig wechselnd ( ± 1-2 Stufen)Lichtzahl LhellSalzzeichen--
Reaktionszahl Rneutral bis basisch (pH 5.5-8.5)Temperaturzahl Tkollin ( Laubmischwälder mit Eichen)
Nährstoffzahl Nsehr nährstoffarmKontinentalitätszahl Ksubozeanisch (hohe Luftfeuchtigkeit, geringe Temperaturschwankungen, eher milde Winter)

Abhängigkeit vom Wasser

Flüsse0 - unbedeutend, keine Bindung.
Ruhiges Wasser1 - Zusatz- oder Nebenlebensraum
Grundwasser0 - unbedeutend, keine Bindung.

Nomenklatur

Gültiger Name (Checklist 2017): Liparis loeselii (L.) Rich.

Volksname Deutscher Name: Zwiebelorchis, Glanzkraut Nom français: Liparis de Loesel Nome italiano: Liparide

Übereinstimmung mit anderen Referenzwerken

RelationNomReferenzwerkeNo
=Liparis loeselii (L.) Rich.Checklist 2017241800
=Liparis loeselii (L.) Rich.Flora Helvetica 20013000
=Liparis loeselii (L.) Rich.Flora Helvetica 20122586
=Liparis loeselii (L.) Rich.Flora Helvetica 20182586
=Liparis loeselii (L.) Rich.Index synonymique 1996241800
=Liparis loeselii (L.) Rich.Landolt 1977744
=Liparis loeselii (L.) Rich.Landolt 1991651
=Liparis loeselii (L.) Rich.SISF/ISFS 2241800
=Liparis loeselii (L.) Rich.Welten & Sutter 19822570

= Taxon stimmt mit akzeptiertem Taxon überein (Checklist 2017) <Taxon ist im akzeptierten Taxon (Checklist 2017) enthalten> Taxon enthält (neben anderen) auch das akzeptierte Taxon (Checklist 2017)

Status Indigenat: Indigen

Liste der gefährdeten Pflanzen IUCN (nach Walter & Gillett 1997): Nein

Status Rote Liste national 2016

Status IUCN: Verletzlich

Zusätzliche Informationen Kriterien IUCN: C1; C2a(i)

Status Rote Liste regional 2019

Biogeografische RegionenStatusKriterien IUCN
Jura (JU)verletzlich (Vulnerable)C1; C2a(i)
Mittelland (MP)verletzlich (Vulnerable)C1; C2a(i)
Alpennordflanke (NA)stark gefährdet (Endangered)C1; C2a(i)
Alpensüdflanke (SA)vom Aussterben bedroht (Critically Endangered)C2a(ii); D
Östliche Zentralalpen (EA)vom Aussterben bedroht (Critically Endangered)C2a(ii); D
Westliche Zentralalpen (WA)regional beziehungsweise in der Schweiz ausgestorben (Regionally Extinct)

Status nationale Priorität /Verantwortung

Nationale Priorität4 - Mässige nationale Priorität
Massnahmenbedarf1 - Möglicher (unsicherer) Massnahmebedarf
Internationale Verantwortung1 - Gering
Überwachung Bestände2 - Überwachung ist nötig

Schutzstatus

International (Berner Konvention)Ja
AGVollständig geschützt(01.01.2010)
AIVollständig geschützt(13.03.1989)
BEVollständig geschützt(01.01.2016)
FRVollständig geschützt(12.03.1973)
GEVollständig geschützt(25.07.2007)
GLVollständig geschützt(07.05.2006)
GRVollständig geschützt(01.12.2012)
SchweizVollständig geschützt
OWVollständig geschützt(01.04.2013)
SOTeilweise geschützt(23.02.1972)
VDVollständig geschützt(02.03.2005)
ZGVollständig geschützt(01.10.2013)
ZHVollständig geschützt(03.12.1964)
TIVollständig geschützt(23.01.2013)

Erhalten/ Fördern Gefährdungen und Massnahmen Zerstörung des Lebensraums ( Entwässerung, Absenkung des Grundwasserspiegels, Bautätigkeit, Verkehrsanlagen, Industrie, Golfplätze, Siedlungen) Keine neuen Entwässerungen Regulierung des Wasserhaushalts zugunsten der Art Vorrang der wertvollen Lebensräume vor Bauprojekten Keine entwässernden Riedgräben ( Liparis wächst oft im den feuchten Schlenken oer bei Wasseraufstössen) Eutrophierung Düngeverbot in der nahen Umgebung Grosse Pufferzonen einrichten Aufgabe der traditionellen Streuenutzung Anreiz geben zur Weiterführung einer extensiven Nutzung ( Ökobeiträge) Ansonsten simulieren der ehemaligen Streuenutzung als Pflegenutzung (von Hand oder mit leichtem Gerät über gefrorenem Boden im Winter) Invasive Neophyten Fortsetzung und Intensivierung des Kampfes gegen invasive Arten (Cotoneaster, Pyracantha, Baccharis) Ungeeignete Bewirtschaftung (Beweidung) Keine Beweidung (Ausnahme: extensive Beweidung mit alten Rassen im Rahmen eines Pflegekonzepts) Mechanische Einwirkungen durch Freizeitaktivitäten (z. B. Tritt, Fotographieren) Lenkung der Ausflügler im Problembereich Öffentlichkeit informieren und sensibilisieren Sperrung von Wegen Naturlehrpfade ( Prügelpfad) einrichten Kleine, isolierte Populationen Schutz aller Fundstellen (Mikroreservate) Regelmässige Bestandeskontrolle aller Populationen (Monitoring) Grundbesitzer über Vorkommen und geeignete Pflege informieren Bewirtschaftungsverträge abschliessen, Vertrag enthält Nutzungsart und -zeitpunkt ( jährliches Mähen der Orchideenstandorte nach der Absamung) Monatliches Feinmonitoring an Referenzfundstellen durchzuführen, um die Biologie der Art besser zu verstehen, insbesondere in Bezug auf die zwischenjährlichen Schwankungen der Wasserstände Erfolgskontrolle der Massnahmen gewährleisten Schneckenfrass Initiierung einer wissenschaftlichen Arbeit (Bachelor, Master) zur Erforschung und Erweiterung des Wissens über effizienten Schutz gegen Schneckenfrass Ungeeignete Pflege (Verfilzte Vegetation durch zu hohen Riedschnitt, Mahd vor dem Absamen, Verbuschung und Verschilfung der Standorte Jährlich und bodennah Mähen Mähen nach dem Absamen ( abhängig von Meereshöhe und Exposition ≥ Mitte Okt) Abtransport des Schnittguts Eintrag von Geschwemmsel durch Seewasserhochstand Schwieriges Problem, das sich kaum einfach lösen lässt . Bisher keine Erfahrungen Tipps und Anregungen erwünscht In-situ Massnahmen Close Mehr Informationen Merkblatt Artenschutz J. Menzi & K. Spörri, 2018: Aktionsplan Liparis loeselii C. Gnaegi, 2020 : Liparis loeselii (L.) Rich., Aktionsplan Orchideen Kt. Bern, Pro Natura B. Valentin, 2010: Agir pour le Liparis de Loesel - L'essentiel du plan d'actions 2010-2014, CBNBL LUBW Baden-Württenberg: Artensteckbrief - Sumpf-Glanzkraut - Liparis loeselii (Linnaeus) L. C. M. Richard