Oribatella quadricornuta (Michael, 1880)

Beck, L. & Woas, S., 1991, Die Oribatiden-Arten (Acari) eines suedwestdeutschen Buchenwaldes I., carolinea 49, pp. 37-82: 77

publication ID

ORI5378

persistent identifier

http://treatment.plazi.org/id/505B3AA9-0836-25BE-EAE8-F40AE1ABA98A

treatment provided by

Thomas

scientific name

Oribatella quadricornuta (Michael, 1880)
status

 

Oribatella quadricornuta (Michael, 1880)  

Bestimmung nach WILLMANN (1931:180), BERNINI (1975:445, 1978:534)

Länge 485-570 µm, Länge:Breite 1,50-1,65 (20 Ex.)

Kurzdiagnose

Obere Spitze des kapuzenartigen Rostrum spitzbogig gerundet oder mit angedeuteter Spitze; äußere Cuspisspitzen stets etwas länger als innere, meist 1-2 Zähnchen am äußeren Rand; Sensillus stabförmig gebogen bis ganz schwach spindelförmig. Kutikula auf dem Notogaster mit grober Stichpunktierung, eher als fein genarbt zu bezeichnen, im vorderen Bereich der Pteromorphen gerieft, ebenso auf den Lamellen. Auf der Ventralseite fließen die feinen Narben des Anogenitalbereichs im Epimeralbereich zu feinen Riefen zusammen. Borste 4c reicht etwas vor das Apodema sejugale.

Belegmaterial: Stadtwald Ettlingen, Moderbuchenwald, Bodenstreu, F-Schicht, XI/1982, 4 Ex., LNK A 0393 GoogleMaps   ; IX/1982, 5 Ex., LNK A 0394 GoogleMaps   .

Diskussion

Nach Willmann (1931) sind unsere Tiere als "kleine Form" von O. calcarata   zu bestimmen. Bernini kommt nach gründlichen Auseinandersetzungen (1975, 1977, 1978) mit der Gattung Oribatella   und aufgrund ausführlicher Wiederbeschreibungen der beiden Arten O. calcarata   und O. quadricornuta   zu der Meinung, daß es sich um zwei gute Arten handelt, eine Meinung, der sich auch Weigmann (in litt.) anschließt. Wie aus der nachfolgenden Kurzdiagnose von O. calcarata   zu ersehen ist, die die wenigen, immer wieder differentialdiagnostisch verwendeten Merkmale enthält, gibt es nur wenig Unterschiede zu dieser Art. Sie reduzieren sich auf die Körpergröße ( O. quadricornuta   maximal 570 µm, O. calcarata   minimal 610 µm) und die Cuspisspitzen (bei O. quadricornuta   stets außen etwas länger als innen, bei O. calcarata   gleichlang, eher innen etwas länger als außen, was auch Bernini 1978:485 feststellt). Dazu kommen noch tendenzielle Unterschiede wie die Zähnchen an der Außenkante der Lamellen (bei O. quadricornuta   meist 1-2 vorhanden, bei O. calcarata   meist fehlend oder 1 angedeutet) und die Länge der Borste 4c, die bei O. calcarata   das Apodema 2 erreicht.

Aber diese und andere Merkmale variieren bei Oribatellen offensichtlich in sehr weitem Rahmen. So erwähnt Perez-Inigo (1988:89) eine " robusta apófisis ventral" auf Genu I bei seiner neuen Art O. inflexa   , die bei O. quadricornuta   nicht existiere. Bei unseren Tieren sind jedoch - in Übereinstimmung mit der Beschreibung Berninis - "due acuti denti caratteristici" (Bernini 1978:486) vorhanden, wie offensichtlich auch bei mediterranen Populationen. Dies läßt eine über die Merkmalsvariabilität innerhalb einer Population hinausgehende hohe Variabilität zwischen geographisch oder ökologisch getrennten Populationen vermuten. Dennoch lassen sich O. quadricornuta   und O. calcarata   an unserem und anderen Standorten, wo beide Arten nebeneinander vorkommen (Weigmann, in litt.), in erster Linie natürlich aufgrund des unterschiedlichen Größenspektrums klar von einander trennen. Nicht endgültig zu entscheiden ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Abtrennung gegenüber O. berlesei   . Nicht zufällig stehen beide Arten im Bestimmungsschlüssel von Bernini (1978) direkt nebeneinander, nur unterschieden durch die Form des Rostrµm, das bei O. berlesei   "con profilo acuminato e con espansioni laterali laminiformi " sein soll. Nun ist nach Bernini (1977) allerdings die mitteleuropäische O. berlesei   nicht identisch mit der mediterranen, auf die sich Bernini (1978) in seinem Bestimmungsschlüssel bezieht. Nach Untersuchung von Material aus dem Appennin und aus den Alpen kommt er zu der Überzeugung, daß auch die bei Sellnick (1928) und Willmann (1931) als O. berlesei   geführte Art der von ihm neu beschriebenen O. brevipila   entspricht und diese weicht nun in der Tat - soweit man bei der erheblichen Merkmalsvariabilität innerhalb der Gattung Oribatella   überhaupt Unterschiede als sicher konstatieren kann - von O. quadricornuta   ab. O. brevipila   hat ein kurzes, kaum verdicktes Epimeralhaar 4c und ein in Dorsal- oder Ventralansicht kuppeiförmig gebogenes Rostrum mit distinkter Spitze, wie bei Willmann 1931 abgebildet.