Liochthonius neglectus, Moritz, M., 1976

Moritz, M., 1976, Revision der europäischen Gattungen und Arten der Familie Brachychthoniidae (Acari, Oribatei) Teil 1. Allgemeiner Teil: Brachychthoniidae Thor, 1934. Spezieller Teil: Liochthonius v. d. Hammen, 1959, Verachthonius nov. gen. und Paraliochthonius nov. gen., Mitteilungen aus dem Zoologischen Museum in Berlin 52, pp. 27-136: 57-61

publication ID

ORI10013

persistent identifier

http://treatment.plazi.org/id/71993869-0F09-882D-D7BD-94CBDDB725E5

treatment provided by

Thomas

scientific name

Liochthonius neglectus
status

nov. spec.

Liochthonius neglectus   nov. spec. (Abb. 12ab)

Liochthonius hystricinus f. tuxeni   : Niedbala 1972a, p. 590, fig. 13.

Liochthonius tuxeni   : Niedbala 1974, p. 505, fig. 56.

Material: ZMB Nr. 419/B284/7: 1 Ad., Holotypus, DDR, Harz, Hohnekamm   GoogleMaps ca. 800m, Nadelstreu, Humus und Moos, W. Karg leg. V. 1960.   - ZMB Nr. 419/B284/8-31: 24 Ad., Paratypen, Fundort wie Holotypus.   - ZMB Nr. 419/IV9/2-4: 3 Ad., Paratypen, DDR, Elisenhain bei Greifswald   GoogleMaps , Stieleichen-Buchen-Eschenwald, Streu- und Zersetzungsschicht, M. Moritz leg. 1957 / 1958.   - ZMB Nr. 419/B89/5: 1 Ad., Paratypus, DDR, Südrand des Kyffhäusergebirges bei Bad Frankenhausen, SO-exponierter Suedhang   GoogleMaps , Gras- und Wurzelfilz einer Steppengrasformation, M. Moritz leg. 10. 11. 1964.   - ZMB Nr. 419/858E/6: 1 Ad., Paratypus, DDR, Neissetal bei Ostritz   GoogleMaps , Oberlausitz, ostexponierter Hang, Laubwald, H.-D. Engelmann leg. 11. 1. 1967.  

IBP Nr. 27 rys 30: 1 Ad., Paratypus, Coll. Niedbala (sub. L. tuxeni   ), Polen, W. Niedbala leg.  

NRSt: 5 Ad., Paratypen, Coll. Forsslund Mf 223ab, Schweden, Västerbotten, [ Svartberget   GoogleMaps ], K.-H. Forsslund leg.   - NRSt: 1 Ad., Paratypus, Coll. Forsslund Mf 876, mikroskop. Präparat (sub Liochthonius perpusillus   ), Schweden, Dalarna, Ludvika, Brunnsvik   GoogleMaps , K.-H. Forsslund leg. 2. 10. 1960.   - NRSt: 1 Ad., Paratypus, Coll. Forsslund Mf 519, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius perpusillus   ), Schweden, Västerbotten, Kulbäcksliden.   - NRSt. 1 Ad., Paratypus, Coll. Forsslund Mf 628, mikroskop. Präparat, (sub Brachychthonius perpusillus   ), Schweden, Dalarna, Idre   GoogleMaps .   - NRSt: 1 Ad., Paratypus, Coll. Forsslund Mf 602 b, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius perpusillus   ), Schweden, Dalarna, Älvdalen   - NRSt: 1 Ad., Paratypus, Coll. Forsslund Mf 1327, mikroskop. Präparat, Schottland, Pertshire, Ben Ghlas   GoogleMaps , 18. 7. 1964.  

UNMB: 1 Ad., Paratypus, Norwegen, Hordaland, Eidfjord, Stigstur   GoogleMaps , 1225 m, T. Solhög leg. 19. 6. 1972.  

Holotypus, Locus typicus: Der Holotypus befindet sich in Alkohol deponiert im Zoologischen Museum der Humboldt-Universität Berlin. Der Locus typicus ist DDR, Hohnekamm im Harz, ca. 800 m. Der Holotypus stammt zusammen mit weiteren 14 Paratypen aus einer Sammelprobe von Nadelstreu, Humus und Moos.

Beschreibung: Die Farbe ist weißlich bis hellgelbbraun. Dorsalflecke sind nicht, Lateralschildgrenzen nur schwer zu erkennen. Der Körper ist robust, langgestreckt. Das Opisthosoma hat parallele Seiten und ist vom Prosoma deutlich abgesetzt. Alle Dorsalborsten sind mittellang, sehr kräftig und ohne irgendeine velumartige Randerweiterung.

Das Prodorsum ist im Durchschnitt etwas länger als breit. Bis in Höhe der Lamellarhaare verjüngt es sich nur wenig, da es zwischen den Exobothridialhöckern und den Lamellarhaaren einen stärker vorgewölbten Rand besitzt. Das Lateralprofil zeigt zwischen den Lamellar- und den Rostralhaaren eine flache konkave Einsenkung, so daß das Rostrum gut abgesetzt ist. Die medianen prodorsalen Haarpaare stehen auffallend eng beieinander.

Der Abstand der Lamellar- und der Interlamellarhaare ist gleich. Die Rostralhaare überragen weit den Rostralrand. Die Lamellarhaare sind recurv und fast direkt caudad gerichtet. Die Interlamellarhaare sind dagegen mehr oder weniger gerade und nur in der Mitte leicht rostrad durchgebogen.

Sensillusstiel und -keule sind gleichlang. Die dicke spindelförmige Sensilluskeule ist mit starren Stachelborsten in Reihen zu 5 bis 6 besetzt. Sie sind dorsal mehr als doppelt so lang wie ventral. Am Ende läuft die Spindel in eine ebensolche etwas nach unten gerichtete Stachelspitze aus. Die Keule wirkt nur leicht asymmetrisch.

Der Exobothridialhöcker ragt am steilen Lateralrand des Prodorsum deutlich vor. Von seiner Vorderkante zieht sich eine etwas gebogene Linie bis zur Außenseite der Insertionsalveolen des Lamellarhaares.

Die interbothridialen Maculae sind nicht erkennbar. Die Lage der entsprechenden Muskelstränge läßt aber auf weit auseinandergerückte Maculae von annähernd gleicher Größe schließen.

Das parallelseitige Opisthosoma wirkt gegenüber anderen vergleichbaren Arten trotz des nicht wesentlich längeren vorderen Notogasterschildes Na weitaus länger, da das Pygidium relativ lang ist. Es sind deutliche Schulterecken entwickelt. Charakteristisch ist die Gestalt der Notogasterborsten. Sie sind durchweg ohne laterale Verbreiterungen. Dafür sind sie seitlich zusammengedrückt, so daß ihr Querschnitt hochoval ist. Die Borsten sind bis fast zur Spitze gleichbleibend dick und wirken dadurch sehr robust. Ihre Oberseite ist in der distalen Hälfte etwas rauh. Die er-Borsten sind in der Mitte leicht gegen den Körper durchgebogen, während alle anderen Borsten gleichmäßig säbelförmig gegen den Körper gekrümmt sind. Die d-Borsten überragen den Hinterrand des Notogasterschildes um ein Drittel ihrer Länge, während die c1- Borsten den Schildhinterrand mindestens mit ihrer halben Länge überragen.

Der vordere Pleuralschild Pl1 ist groß und wie bei den meisten Vertretern dieser Artengruppe mit konkav verlaufendem Vorderrand.

Systematische Stellung: Liochthonius neglectus   n. sp. ist durch den besonderen Habitus der Dorsalborsten eindeutig von allen anderen Arten dieser Gruppe zu unterscheiden. Auf den ersten Blick könnte sie mit L. brevis   verwechselt werden, da sich Körpergröße und Borstenlänge annähernd entsprechen. Die Dorsalborsten von L. brevis   besitzen aber Randerweiterungen und laufen zum Ende gleichmäßig spitz aus.

Über die ökologischen Ansprüche der neuen Art lassen sich zur Zeit keine sicheren Angaben machen. Sie dürfte ein Bewohner kühler Waldstandorte mit stärkerer organischer Auflage sein.

Sie ist bisher nur in der DDR, Norwegen, Schweden und Schottland gefunden worden.