Osmia (Melanosmia) inermis (ZETTERSTEDT 1838)

Ebmer, A. W., 2011, Holarktische Bienenarten - autochthon, eingeführt, eingeschleppt, Linzer biologische Beiträge 43 (1), pp. 5-83: 34-35

publication ID

http://doi.org/10.5281/zenodo.4524335

DOI

http://doi.org/10.5281/zenodo.4489214

persistent identifier

http://treatment.plazi.org/id/865F8797-FFD2-8D13-FF09-FC43EFB9D7E4

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Felipe

scientific name

Osmia (Melanosmia) inermis (ZETTERSTEDT 1838)
status

 

Osmia (Melanosmia) inermis (ZETTERSTEDT 1838)  

Abb. des ♀ bei MÜLLER, KREBS & AMIET 1997: 316, Abb. 16 View Abb , 3 View Abb , Seite 81.

In Europa boreo-alpin im weiteren Sinn, also auch vereinzelt und sehr selten in den Mittelgebirgen nördlich der Alpen und damit sehr disjunkt verbreitet. Nach Norden in Finnland bis Utsjoki in Lapponia inarensis N70 ° ( ELFVING 1968: 41), im Baltikum südlich bis Litauen. Wenige Funde aus dem Schottischen Hochland (ELSE & ROBERTS 1997: 114-115). In Deutschland von STOECKHERT (1933: 206) als Glazialrelikt betrachtet und aus Westpreussen, Brandenburg, Posen, Pommern, Schlesien (diese drei Gebiete liegen heute in Polen), Sachsen, Thüringen und Nordbayern (Fränkischer Jura) gemeldet. Auch in den Alpen Bayerns, Garmisch Partenkirchen, 13.7.1985, 1♀, coll. Warncke, Biologiezentrum Linz. In den Alpen aus Frankreich mir noch kein Fund vorliegend. In der Schweiz vom Wallis bis Graubünden, bis 2750m ( AMIET et al. 2004: 153), nur wenige Funde vom Nordrand der Alpen. Im Biologiezentrum Linz, befindet sich ein ♀ von Zermatt, Gabelhorn 3200m, 18.7.1961, ohne Sammler, die Flügelsäume etwas beschädigt, die Behaarung aber intakt, in der coll. Warncke; ein weiteres ♀ mit selben Funddaten, ab 3300m, leg. H. Meier, in der Hauptsammlung. Das Kleine Gabelhorn westlich Zermatt ist 3392m hoch, und wenn die Höhe am Fundortetikett stimmt, wäre Osmia inermis   die zweite Kleinbiene neben Colletes impunctatus   , die den "Höhenrekord" in den Alpen einnimmt. In Österreich in den Alpen von Tirol bis Oberösterreich und Kärnten, in den Hohen Tauern bis 2600m; aus den Mittelgebirgen erst ein Fund, Oberösterreich, Neudorf im östlichen Mühlviertel N48.29 E14.38, 870m, 21.6.2001, 1♀, leg. J. Gusenleitner, Biologiezentrum Linz Linz. In den Südalpen von Piemont (Pragelato), Südtirol (Trafoi. Seiser Alm), Julische Alpen (Altiplano Montasio). In den spanischen Pyrenäen ( TKALCŮ 1983: 154). In der Subspezies O. i. bulgarica FRIESE 1922 aus Makedonien, Pepelak (südlich Skopje) beschrieben, auch in Griechenland am Olymp, Pindos (Miliá) und Chelmos gefunden.

In Asien nur wenige Fundangaben: NW-China, Kuldscha im Ili-Tal und NE-China ( WU 2006: 70). Erstmals aus dem Russischen Fernen Osten im Naturpark von Lazo gefunden ( QUEST 2009: 216).

In der Nearktis, Tuktoyaktuk N69.26 W 133.03 in den Northwest Territories, erreicht O. inermis   als eine der ganz wenigen Kleinbienen in der arktischen Tundra die Küste des Eismeeres (SAKAGAMI & TODA 1986). Nach Süden über die Gebirge bis California, nach Osten bis Labrador, Quebec, südlich bis Massachusets ( HURD 1979: 2043).

Erkennen der Art als holarktisch: SANDHOUSE 1939: 34.

Soweit aus der Literatur ersichtlich, ist Osmia inermis   als eine evolutiv alte holarktische Art anzusehen, analog wie Andrena clarkella   in eine nördlich verbreitete Artengruppe eingebettet. Jedoch lässt sich mangels Revision gegenwärtig kein Mannigfaltigkeitszentrum erkennen. TKALCŮ (1983) stellte O. inermis   mit Recht in die Untergattung Melanosmia SCHMIEDEKNECHT 1885 und behandelt 9 Arten für Europa. Die Publikation von WU (2006) ist mit Vorsicht zu gebrauchen, denn sie reiht auch Osmia melanogaster SPINOLA 1808   unter Melanosmia ein, die absolut sicher nicht zu dieser Untergattung, sondern zur Untergattung Chalcosmia SCHMIEDEKNECHT 1885 gehört. Neben den drei auch in Europa vorkommenden Arten O. inermis   , O. nigriventris   und O. pilicornis SMITH 1846   nennt sie für China noch folgende Arten: O. jiliense WU 2004 aus NE-China, O. ishikawai HIRASHIMA 1973   von Japan, Hokkaido und China, Shansi, O. pamirensis MORAWITZ 1930   aus dem Pamir und O. nigroscopula (WU 1982)   aus Tibet. In der Paläarktis ist nach dem bisherigen Forschungsstand noch kein Mannigfaltigkeitszentrum für Melanosmia erkennbar.

Ein Vergleich mit der Nearktis ist derzeit nicht möglich, weil O. inermis   von den amerikanischen Autoren in die Untergattung Chenosmia gestellt wird und HURD (1979) 40 Arten aufzählt. Abgesehen davon, wieviele sich bei einer wirklichen Revision als gute Arten herausstellen, ist unklar, wieviele nearktische Arten wirklich zu Melanosmia gehören. MICHENER (2000: 465) synonymisiert Chenosmia und weitere bisher in der Nearktis verwendete Untergattungen zu Melanosmia und verweist auf die grosse Artenzahl von 91 in der Nearktis. Durch diese Synonymisierungen ist noch weniger abzuschätzen, wieviele Arten der Nearktis wirklich zu Melanosmia im Sinn von TKALCŮ gehören, und es wäre ohne umfassende Revision voreilig, die Artenmannigfaltigkeit von Melanosmia in die Nearktis zu verlegen.

Kingdom

Animalia

Phylum

Arthropoda

Class

Insecta

Order

Hymenoptera

Family

Megachilidae

Genus

Osmia