Lasioglossum (Evylaeus) boreale SVENSSON, EBMER & SAKAGAMI 1977, SVENSSON, EBMER & SAKAGAMI, 1977

Ebmer, A. W., 2011, Holarktische Bienenarten - autochthon, eingeführt, eingeschleppt, Linzer biologische Beiträge 43 (1), pp. 5-83: 25-28

publication ID

http://doi.org/10.5281/zenodo.4524335

DOI

http://doi.org/10.5281/zenodo.4524385

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http://treatment.plazi.org/id/865F8797-FFDB-8D15-FF09-FA6FED14D1FA

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Felipe

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Lasioglossum (Evylaeus) boreale SVENSSON, EBMER & SAKAGAMI 1977
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Lasioglossum (Evylaeus) boreale SVENSSON, EBMER & SAKAGAMI 1977  

Bisher nur sehr disjunkt circumpolar bekannt: Typen: Der locus typicus Abisko N68.21 E18.50, Torne Lappmark im Norden Schwedens GoogleMaps   ; südlich in Jämtland, Handöl, N63.16 E12.30, 13 auf Fettwiese GoogleMaps   .

Paratypen von Japan auf Hokkaido: Sugatami, Mts. Taisetsuzan, ca N45 E143, 1600 m, alpine Wiesen oberhalb der Baumgrenze und Nakagawa Forest.

Zwischen Schweden und Hokkaido besteht eine enorme Fundlücke, die ich eher auf mangelnde Nachweise deute. In der neuerdings umfangreichen lokalfaunistischen Literatur des Russischen Fernen Ostens fehlt L. boreale   bisher.

Erkennen der Art als holarktisch: SAKAGAMI & TODA (1986: 398).

Erstmals aus Kanada, Northwest Territories, von Inuvik N68.22 W133.45 und Tuktoyaktuk N69.26 E133.03 gemeldet und damit als holarktische Art erkannt von SAKAGAMI & TODA (1986).

In der Nearktis trotz guter Durchforschung im Osten erst zwei Fundmeldungen: Kanada, Schefferville [N54.50 W67.00] in Labrador. USA, New Hampshire, Mt. Washington [N44.17 W71.19], 1900m, 22.8.1968, 13, leg. Knerer, coll. Sakagami.

Im Westen entlang der Gebirge erstaunlich weit disjunkt nach Süden reichend: Kanada, Alberta, Banff [N51.10 W115.34], Cascade Mt., ca 2300m, 10.8.1925, 13, leg. O. Bryant, coll. Smithsonian Institution Washington, det. Ebmer. USA: Utah, Uinta Berge [E Salt Lake City], N40 ° W111 °, 3047m. Arizona: Bill Williams Berge [S des Grand Canyon], N35 ° W112 °, 2786m. Green’s Peak in den White Mountains N34 ° W109 °. Mt. Graham in den Graham Bergen N32.41 W101.53, 2740m (PACKER & TAYLOR 2002). Das südlichste Vorkommen liegt zwar auf über 2700m, aber für westpaläarktische Verhältnisse unglaublich weit im Süden – der N32 ° ist beispielsweise der Breitegrad von Jerusalem. Erklärlich ist diese disjunkt-hochmontane Verbreitung in der Nearktis als durch den kontinentalen Eisschild nach Süden verdrängte Populationen, die in Europa wie vielfach durch die querliegenden Alpen und deren Vergletscherung ausgelöscht wurden. Die umfangreiche genetische Untersuchung (PACKER & TAYLOR 2002) erbrachte keine Gliederung in alt- und neuweltliche Populationen.

Den Versuchen, für die unter dem Namen L. boreale   eindeutig mit Fotos und Zeichnungen beschriebene Art einen älteren Namen von Cockerell zu verwenden, habe ich klar entgegnet: Halictus   peraltus COCKERELL 1901 3 Typus fehlt das Abdomen, ist daher wegen des fehlenden Genitals nie mehr identifizierbar und als nomen dubium auf dem Müllhaufen der Taxonomie endzulagern. Halictus dasiphorae COCKERELL 1901   ♀ weist in den Syntypen ein Artgemisch auf; ein ♀ im Natural History Museum London gehört zu L. nigrum ( EBMER 1995: 574-575)   .

Lasioglossum boreale   ist analog wie Andrena clarkella   eine genuin alte holarktische Art, die von einer holarktisch verbreiteten Artengruppe umgeben wird. Das Artenzentrum dieser von mir ( EBMER 1995: 568-581) als

Lasioglossum   fulvicorne-fratellum -Gruppe benannten Arten liegt eindeutig in den Waldgebieten der Ostpaläarktis, wobei diese Bienen natürlich den geschlossenen Wald meiden und Waldlichtungen, Waldränder und Waldsteppe bewohnen. Bemerkenswert ist, dass alle drei die Westpaläarktis erreichende Arten in der Ost-West-Disjunktion eigene Unterarten ausgebildet haben, also diese drei Arten mindestens eine Glazialzeit in einem Refugium in Südeuropa überdauert haben. Aus der heutigen Verbreitung bietet sich für L. fulvicorne   und L. fratellum   jeder der drei mediterranen Halbinseln als Glazialrefugien an, für L. subfulvicorne   wahrscheinlich nur das südliche Griechenland. In der Übersicht der Arten folge ich hier EBMER 1995 mit Einfügung später beschriebener Arten. Die Reihenfolge der Arten versucht eine verwandtschaftliche Gliederung. Die Verbreitungsangaben

wurden mit eigenen neuen Funden und bezüglich Japan mit der ausgezeichneten Publikation von MURAO & TADAUCHI 2007 erweitert.

Lasioglossum fulvicorne (KIRBY 1802)   , transpaläarktisch, die Stammform von England bis zum Altai, in Nordeuropa bis N64 °, in Südeuropa isoliert montan: in Spanien bis Oviedo   ; in Italien bis Basilicata, Rifreddo S Potenza   ; in Griechenland bis zum Timfristos   .

L. fulvicorne   antelicum (WARNCKE 1975), nur schwach ausgebildete Unterart in der Laubwaldzone vom NE der Türkei, Armenien und NW des Iran.

L. fulvicorne   melanocorne EBMER 1988, ostpaläarktisch: Baikalien, Jakutien; nördliche Mongolei.

L. fulvicorne   koshunochare (STRAND 1914), bisher nur die Typen ♀ 3 von Taiwan bekannt.

Lasioglossum vulsum (VACHAL 1903)   , mit dem Synonym L. trispine (VACHAL 1903)   , siehe MURAO & TADAUCHI 2007: 236. Ostpaläarktisch, Russland (Primorskij-Region); NE-China (Charbin); Nord-Korea; Japan, von Hokkaido bis Ryukyu-Inseln.

Lasioglossum minutuloides EBMER 1978   , Typenserie aus der Mandschurei, Umgebung Charbin, steht sehr nahe L. vulsum   und könnte sich als Synonym erweisen.

Lasioglossum sibiriacum (BLÜTHGEN 1923)   , ostpaläarktisch: Russland (Primorskij- Region). NE-China (Mandschurei). Korea. Japan, von Hokkaido bis Ryukyu-Inseln.

Lasioglossum baleicum (COCKERELL 1937)   , ostpaläarktisch: Russland (Primorskij- Region, Sachalin). NE-China (Mandschurei). Süd-Korea. Japan von Hokkaido bis Yakushima.

Lasioglossum caliginosum MURAO, EBMER & TADAUCHI 2006   , ostpaläarktisch: Russland (Primorskij-Region). In Japan von Hokkaido bis Kyushu.

Lasioglossum nemorale EBMER 2006   , ostpaläarktisch: Russland (Primorskij-Region). NE-China (Charbin). Nördliche Mongolei.

Lasioglossum aethiops (BLÜTHGEN 1934)   , nur der Holotypus 3 bekannt, locus typicus: China, Kansu, Ma-yin-tsai, bebautes Land S Minchow =Min Xian =Min-hsien N34.20 E104.09.

Lasioglossum subtropicum SAKAGAMI, MIYANAGA & MAETA 1994   , südjapanisch: Japan, Ryukyu-Inseln Iriomote-jima und Ishigaki-shima.

Lasioglossum fratellum (PÉREZ 1903)   , transpaläarktisch, in der Stammform westpaläarktisch, von England bis Baschkirien (Umg. Maginsk)   ; nach Osten zu vermutlich eine Nachweislücke. Nach Norden zu in Schwedisch Lappland bis Messaure (N66.42), in Finnland bis N69 °. In Südeuropa nur disjunkt-montan: Spanien: Pyrenäen, Kantabrisches Gebirge und Sierra de la Demanda. Italien: Monti Parteni E Neapel. Griechenland: Südlich bis zur Gamila im Nördlichen Pindos. NE-Türkei: Abant   .

L. fratellum   betulae EBMER 1978, ostpaläarktisch: Nord-Korea und Russland (Primorskij-Region).

Lasioglossum nupricola SAKAGAMI 1988   , nördliche Ostpaläarktis: Kamtschatka, Sachalin, Kurileninsel Urup, Primorskij-Region. Japan: Hochgebirge in Hokkaido sowie Hochgebirge des nördlichen und zentralen Honshu.

Lasioglossum subfulvicorne (BLÜTHGEN 1934)   , transpalarktisch, die Stammform ostpalä-

arktisch, locus typicus von China, Kansu, Lu-pa-sze, 2750m, ca N34 E104. Nord-Korea. Jakutien, Tomtor.

L. subfulvicorne   austriacum EBMER 1974, westpaläarktisch: Von Frankreich, Massiv Central bis in die NW-Türkei, Bursa, Ulu Dag. Die östliche Grenze, bzw. Übergänge zur Stammform, in Zentralasien bis zur Mongolei mangels 3 unklar. Nach Norden durch sichere 3 nur bis zur Rhön und Thüringen nachgewiesen; nach Südwesten bis in die Alpen Frankreichs, Lac de Sassiere 10kmE Tigres, 2400m, 15.8.1993, 13, leg. Kuhlmann; in Italien nur in den Alpen; nach Südosten bis Nord-Griechenland, Varnous und Kaimaktsalan, leg. Ebmer.

Lasioglossum subfratellum (BLÜTHGEN 1934)   , nur nach dem Holotypus ♀ bekannt: China, Kansu, Shue-ling-shan, Passhöhe 2400m, ca N34 E104.

Die bei EBMER (1995: 576) der Artengruppe angeschlossene L. nursei (BLÜTHGEN 1926)   kann auch als Übergangsart zur L. atroglaucum   -Gruppe verstanden werden.

In der Nearktis sind ausser L. boreale   nur drei weitere, sicher zu dieser Gruppe gehörende Arten bekannt – in der Reihenfolge der Beschreibung angeführt:

Lasioglossum nigrum (VIERECK 1903)   (syn.: Halictus   fartus VACHAL 1904), locus typicus New Mexico, Beulah. Von Alberta und British Columbia südlich bis New Mexico, kenne ich selbst Exemplare aus Alberta, Colorado, California und Utah. MOURE & HURD (1987: 77) nennen auch Labrador, Nova Scotia und New York – diese Angaben aus der östlichen Nearktis kann ich nicht überprüfen. Knerer hat L. nigrum   nie im Osten Kanadas gefunden und hält diese für eine westnearktische Art (persönliche Mitteilung). Im eher kurzen Gonostylus schliesst sich L. nigrum   an die transpaläarktische L. subfulvicorne   an, und könnte auch als frühe Einwanderung dieser und Weiterentwicklung in der Nearktis verstanden werden.

Lasioglossum quebecense (CRAWFORD 1907)   , in der östlichen Nearktis, von Minnesota nach Osten bis Neufundland, südlich bis Georgia. Ich kenne Exemplare aus New York und Maine. Durch den längeren Gonostylus als isolierte Weiterentwicklung von L. fratellum   zu verstehen.

Lasioglossum comagenense (KNERER & ATWOOD 1964)   transnearktisch, aus Ontario beschrieben und von Alaska und Northwest Territories (Inuvik) gemeldet, kenne ich ausser Exemplare von Toronto solche aus Maine und British Columbia, Penticton. Durch den ebenfalls kurzen Gonostylus eine von L. nigrum   selbständige, evolutiv ältere (?) Weiterentwicklung von L. subfulvicorne   zu verstehen.

Die Autoren geben leider keine derivatio nominis für Lasioglossum comagenense   , die ich hiermit für die Nachwelt erhalten möchte: Prof. Gerd Knerer widmete diese Art seiner Heimatstadt Tulln in Niederösterreich, die zur Römerzeit Comagenae hiess. Diese bekam den Namen wiederum von den dort stationierten Legionären, die aus dem mit Rom verbündeten Königreich Commagene (hier mit Doppel-m geschrieben) stammten, an der heutigen Grenze zwischen südöstlicher Türkei und Syrien, bekannt durch das Höhenheiligtum des König Antiochus am Nemrut Dag.

Halictus crassicornis KIRBY 1837   ♀, loc. typ. "British America, Lat. 54 ° ", nomen dubium. Der Autor vergleicht mit seiner Halictus laevis   und lässt damit zumindest die Gruppenzugehörigkeit zu den carinate- Evylaeus   im heutigen Sinn erkennen. Im Natural History Museum London stecken unter der Bodenetikette Halictus crassicornis   vier ♀. Das erste Exemplar mit einer rhombischen blaugrünen Etikette mit der Zahl 13, einer kreisrunden Etikette " Nova Scotia Redman" und dem Museums-Bodenetikett " crassicornis N. Amer Kirby   ". Dieses Exemplar kann nicht der Typus sein, denn Nova Scotia liegt am Breitegrad von ca N45 °. Es gehört zu L. comagenense   . Dieses Exemplar hat schon COCKERELL (1905: 349) untersucht und in die Nähe von L. foxii   ( L. nitidiusculum   - Gruppe) gestellt – der Vielschreiber Cockerell erkannte nicht einmal die Artengruppe! Zwei weitere ♀♀ mit der kreisrunden Etikette "Hudsons Bay", in der Handschrift wie beim ersten Exemplar, wohl nachträglich etikettiert, können ebenfalls nicht Syntypen sein, denn die Hudson Bay liegt zwischen N55 ° bis N65 °. Ein viertes ♀ trägt die kreisrunde Etikette mit den Zahlen "44" und darunter "17", die alle keinen Bezug zur Publikation von KIRBY 1837 herstellen. Diese drei Exemplare haben die Determinationsetikette " Halictus crassicornis   ", vermutlich in der Handschrift von Cockerell. Alle drei ♀ gehören zu L. quebecense   . Die Beschreibung der Fühler bei Kirby "the antennae are proportionally more robust, but the principal difference lies in the sculpture of the thorax" [gegenüber L. laeve   ] kommt vermutlich daher, dass die Geisselenden gegenüber den sehr matten Rhinarien oberflächlich sehr stark hervortreten. Als Zusammenfassung meiner Untersuchungen der Exemplare in London kann ich nur feststellen, dass alle vier ♀ keine Syntypen sind, das authentische Exemplar ("single specimen") verschollen und Halictus crassicornis   unter den nomina dubia endzulagern ist.

Kingdom

Animalia

Phylum

Arthropoda

Class

Insecta

Order

Hymenoptera

Family

Halictidae

Genus

Lasioglossum

Loc

Lasioglossum (Evylaeus) boreale SVENSSON, EBMER & SAKAGAMI 1977

Ebmer, A. W. 2011
2011
Loc

Lasioglossum boreale

EBMER A 1995: 568
1995