Lasioglossum (Lasioglossum) leucozonium (SCHRANK 1781)

Ebmer, A. W., 2011, Holarktische Bienenarten - autochthon, eingeführt, eingeschleppt, Linzer biologische Beiträge 43 (1), pp. 5-83: 46-49

publication ID

http://doi.org/10.5281/zenodo.4524335

DOI

http://doi.org/10.5281/zenodo.4524485

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http://treatment.plazi.org/id/865F8797-FFE6-8D21-FF09-FC9CEF20D005

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Felipe

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Lasioglossum (Lasioglossum) leucozonium (SCHRANK 1781)
status

 

Lasioglossum (Lasioglossum) leucozonium (SCHRANK 1781)  

Abb. des ♀ bei WESTRICH 1989: 692 und MÜLLER, KREBS & AMIET 1997: 231, Abb. 10 View Abb , 3 View Abb , Seite 79.

Gegenwärtige Verbreitung in der Nearktis von Cape Breton Island südlich nach New Jersey, westlich bis Wisconsin. Ein isolierter Fund in Tennessee ( MCGINLEY 1986: 173 - Verbreitungskarte).

Halictus similis SMITH 1853   ♀, loc. typ. "North America; Hudson’s Bay". Der Typus in London 17a995 trägt keine Ortsangabe. Nach der heutigen Kenntnis der Verbreitung stimmt die Hudson Bay nicht, und ich vermute, dass die von Smith angegebenen Sammler E. Doubleday und G. Barnston mit der Hudson Bay Company irgendwie in Kontakt standen. Wenn L. leucozonium   in die Nearktis eingeschleppt wurde, dann also im 18. oder frühen 19. Jahrhundert.

Erkennen der Art als holarktisch: Die Synonymie von H. similis   und damit L. leucozonium   als holarktisch verbreitet erkannte zuerst COCKERELL 1909 in Can. Ent. 41. 334-335, äusserte später jedoch wieder Zweifel. Endgültig bestätigten die Synonymie im gleichen Jahr SANDHOUSE (1933: 78) und BLÜTHGEN (1933: 304). Blüthgen wies auch hin, dass das ihm aus Halifax vorliegende ♀ "nicht die geringste Abweichung von deutschen Stücken zeigt."

Dass L. leucozonium   in die Nearktis eher eingeschleppt wurde statt eine alte autochthone Art ist, habe ich erstmals ( EBMER 1998: 408) publiziert und gründet sich auf folgende Indizien; ähnlich sind die Gründe auch bei L. zonulum   gelagert: L. leucozonium   hat die Tendenz zur auffälligen Subspeziesbildung. Wenn sie nun eine autochthon holarktische Art wäre, müsste wie in der Paläarktis auch in der Nearktis mindestens eine eigene Subspezies vorhanden sein; Halictus confusus   hat beispielsweise zwei Subspezies in der Nearktis. Nun ist aber auffällig, dass die nearktischen Exemplare von L. leucozonium   in nichts von der westpaläarktischen Stammform zu unterscheiden sind, und daher das ein Indiz ist, dass sie Abkömmlinge aus dem gemässigten Europa sind. Natürlich wäre es eine lohnende Aufgabe, die genetischen Abstände der einzelnen Taxa im Vergleich zu denen aus der Nearktis zu untersuchen.

Der Artenkomplex des Lasioglossum leucozonium   - Lasioglossum zonulum   ist von den anderen Lasioglossum   s.str. -Arten durch das auch oben seitlich gekantete Propodeum gut abgrenzbar; die Artenfülle ist am ehesten durch die Behaarung von Sternit 6 der Männchen zu gliedern. Abgesehen von den beiden nun auch in der Nearktis vorkommenden Arten ist der ganze Artenkomplex rein paläarktisch verbreitet.

Bei L. leucozonium   und die am nächsten stehenden Arten ist die Behaarung über den ganzen Endrand von Sternit 6 angeordnet. Diese Arten sind schwerpunktmässig (Mannigfaltigkeitszentrum) westpaläarktisch verbreitet. L. zonulum   gleichsam am anderen Ende dieser grossen Artengruppe weist inmitten der Fläche von Sternit 6 eine bürstenartig abstehende Behaarung auf, und der Endrand des Sternits ist völlig bis nahezu haarlos – siehe bei dieser Art.

Taxa der Lasioglossum leucozonium   -Untergruppe:

Diese Arten sind ausschliesslich westpaläarktisch verbreitet, mit Ausstrahlung bis Mittelasien.

L. leucozonium   bildet eine Reihe geographisch gut korrelierte Unterarten aus. Um diesen Formenkreis herum sind weitere Taxa, die sich nach der Kenntnis der Taxonomie der Halictidae   als klar definierbare Arten erweisen, einige aber eher als Arten in statu nascendi zu betrachten sind. Insgesamt also eine evolutiv sehr aktive und erfolgreiche Gruppe, wobei L. l. leucozonium in Mitteleuropa   sogar Kulturfolger wurde. Die westpaläarktische Stammform in Europa nach Norden in Schweden und Finnland bis N64 °, von England bis Sibirien (Akmolinsk), im Süden von Zentraliberien bis NW-Indien (Himachal Pradesh). Aus Tibet und Yunnan kenne ich noch weitere unbeschriebene Formen.

L. l. mandschuricum EBMER 1978 ist die ostpaläarktische Entsprechung, von Krasnojarsk über die zentrale Mongolei bis zur Primorskij-Region, im Süden bis in die Mandschurei (locus typicus).

L. l. clusium (WARNCKE 1975) ist eine klinale Bildung, die in Griechenland beginnt, am deutlichsten in Kleinasien ausgeprägt ist und nach Osten sich wieder zurückbildet, so dass in NW-Indien (Matiana, Simla Hills, locus typicus des Synonyms Halictus   deiphobus BINGHAM 1908) die Exemplare wieder wie die Stammform aussehen.

L. l. cedri EBMER 1976, südliches Iberien, Maghreb, Sizilien, Kreta.

Die beiden folgenden Taxa sind kleinräumige Gebirgsformen:

L. l. xylopedis EBMER 1978, Elburs-Gebirge im Iran   ; L. l. elysium EBMER 1979 Spanien, Sierra Nevada   .

Lasioglossum tadschicum (BLÜTHGEN 1929)   , von der östlichen Türkei (Igdir), Azerbaidzan, Iran bis Zentralasien, südlich bis Afghanistan, bleibt in weiten Gebieten gemeinsamen Vorkommens mit L. leucozonium   morphologisch getrennt, aber vereinzelt kommen immer wieder Übergangsexemplare vor. Ich bewerte das dahingehend, dass L. tadschicum   die artliche Trennung von L. leucozonium   grundsätzlich vollzogen hat, aber ihr genetisch noch so nahe steht, dass einzelne Populationen diese genetische Trennung noch nicht vollzogen haben, ein klassischer Fall einer Art in statu nascendi.

Lasioglossum satschauense (BLÜTHGEN 1934)   , eine extrem isolierte Form der Oase Satschau (=Dunchuang =Minghoshan N40.05 E94.45) im Norden Chinas, ganz im Westen der Provinz Gansu.

Lasioglossum sarticum (BLÜTHGEN 1934)   , eine extrem seltene, zentralasiatische Art, durch das querovale Gesicht gut kenntlich.

Lasioglossum callizonium (PÉREZ 1895)   , westmediterran, im südlichen Iberien und im Maghreb vorkommend, durch das dicht punktierte Mesonotum und eigentümlich dicht punktierte Krümmung von Tergit 1 sehr gut von allen anderen Taxa der Gruppe unterscheidbar.

Lasioglossum discum (SMITH 1853)   einschliesslich der westmediterranen Subspezies L. d. fertoni (VACHAL 1895) im westlichen Nordafrika, über ganz Südeuropa bis Zentralasien, südlich bis Afghanistan, östlich bis Tannu Tuva; nach Norden bis in die Südschweiz ( Wallis – dort verschollen; Tessin), Südtirol, Pannonicum im Osten Österreichs und Einzelfunde in Süddkärnten und Südsteiermark – nähere Angaben zur Verbreitung siehe auch unter Abschnitt 6, "Falsche loci typici", L. discum   .

Lasioglossum aegyptiellum (STRAND 1909)   , mediterran-westasiatisch, von Slowenien (Istrien) bis Iran (Minudasht verbürgter östlicher Fund), südlich bis Ägypten.

Lasioglossum   tenuiceps (VACHAL 1905), extrem selten aus dem zentralen Anatolien bekannt; wurde auch als Synonym zu L. aegyptiellum   gestellt, aber solche Entomologen haben sich nie die ganz abweichende und bei Lasioglossum   sehr wichtige Skulptur auf Tergit 3-5 angesehen, die bei L. tenuiceps abweichend und sehr charakteristisch ausgebildet ist.

Lasioglossum   tripolitanum ( BLÜTHGEN 1924), Lybien, kann auch als westliche Subspezies in Nordafrika von L. aegyptiellum   verstanden werden.

Lasioglossum picipes (MORAWITZ 1876)   , eine sehr seltene Wüstensteppenart, vom Iran bis Afghanistan, von Kirgisien bis Israel.

Lasioglossum albocinctum (LUCAS 1849)   , westmediterran, Maghreb bis Italien, nördlich bis SW-Deutschland, isoliert in Mittelgriechenland. In der Art der Sternitbehaarung leitet diese Art zur folgenden Gruppe über.

Übergänge zwischen Lasioglossum leucozonium   und L. zonulum   - Untergruppen:

Die Arten dieser Gruppe sind bis auf die eher mittelasiatische L. niveocinctum   ausschliesslich ostpaläarktisch-orientalisch verbreitet.

Folgende Arten leiten in der Anordnung der Behaarung des 3-Sternit 6 zu L. zonulum   über. Die Behaarung ist noch am Endrand des Sternits angeordnet, doch mitten ist die Behaarung verdichtet; diese verdichtete Haarzone rückt nun zur Mitte der Sternitfläche basalwärts vor und bildet mit der teilweise sich reduzierenden Endrandbehaarung die Form eines Hufeisens oder eines Omega. Wegen der Fülle der Arten wird die Verbreitung nur ganz kurz angegeben:

Lasioglossum niveocinctum (BLÜTHGEN 1923)   , zentralasiatisch, von Astrachan an der Wolga bis in die Mongolei.

Lasioglossum denticolle (MORAWITZ 1891)   , gemässigt-kühle Ostpaläarktis, von Minussinsk bis zum Pazifik, südlich bis Nordkorea und südöstliches China.

Lasioglossum upinense (MORAWITZ 1889)   , weit verbreitet und häufig in der kontinental-

gemässigten Ostpaläarktis, von West-China (Kansu. Sichuan. Mandschurei), Nord-Korea, Russland: Chabarovsk- und Primorskij-Gebiet.

Lasioglossum occidens (SMITH 1853)   , gemässigte und wärmere Ostpaläarktis: Japan und China.

Lasioglossum koreanum (EBMER 1978)   , ostpaläarktisch: Nord-Korea und China (Shaanxi. Sichuan. Fukien).

Lasioglossum circularum FAN & EBMER 1992   , Zentralchina (Jiangxi. Hunan).

Lasioglossum pseudoccidens (BLÜTHGEN 1926)   , Sikkim. Nord-Burma; 3 unbekannt.

Lasioglossum dynastes (BINGHAM 1898)   , von Ost-Afghanistan bis Ost-Nepal.

Lasioglossum tardum (CAMERON 1896)   , NW-Indien (Kashmir. Jammu. Ladakh).

Lasioglossum spinodorsum FAN 1991   , China, Yunnan. Burma.

Lasioglossum formosae (STRAND 1910)   , ostpaläarktisch-orientalisch, von Nordkorea über China bis Vietnam, Japan (Okinawa), Taiwan.

Lasioglossum subopacum (SMITH 1853)   , ostpaläarktisch-orientalisch weit verbreitet: China bis Vietnam, Süd-Japan, Taiwan, Philippinen.

Lasioglossum sakishima EBMER & MAETA 1999   , Japan: Sakishima-Archipel.

Lasioglossum okinawa EBMER & MAETA 1999   , 3 unbekannt. Japan: Sakishima- Archipel.