Liochthonius brevis

Moritz, M., 1976, Revision der europäischen Gattungen und Arten der Familie Brachychthoniidae (Acari, Oribatei) Teil 1. Allgemeiner Teil: Brachychthoniidae Thor, 1934. Spezieller Teil: Liochthonius v. d. Hammen, 1959, Verachthonius nov. gen. und Paraliochthonius nov. gen., Mitteilungen aus dem Zoologischen Museum in Berlin 52, pp. 27-136: 40-44

publication ID

ORI10013

persistent identifier

http://treatment.plazi.org/id/999FC88E-3554-61E6-BDFE-FD0029C68BC7

treatment provided by

Thomas

scientific name

Liochthonius brevis
status

 

Liochthonius brevis   (Michael, 1888) (Abb. 6ab)

Hypochthonius brevis Michael   , 1888: p. 539, PI. XLIX, Fig. 14.

Hypochthonius brevis   : Michael, 1898, p. 76.

Brachychthonius perpusillus Berlese   , 1910a: p. 220, Taf. XIX, Fig. 41, nov. syn.

Brachychthonius perpusillus   : Forsslund 1942, p. 4, Fig. 4.

Brachychthonius perpusillus   : Evans 1952, p. 231.

Brachychthonius perpusillus   : Forsslund 1957, p. 590, Fig. 12.

Liochthonius perpusillus   : v. d. Hammen 1959, p. 19.

Brachychthonius perpusillus   : Sellnick. i960, p. 86.

Liochthonius perpusillus   : Grandjean 1963, p. 137, Fig. 8 bis 12.

Liochthonius perpusillus   : Bulanova-Zachvatkina 1967, p. 119, Tab. II, Fig. 25.

Liochthonius perpusillus   : Niedbala 1968, p. 1, Fig. 1.

? Liochthonius perpusillus   : Niedbala 1974, p. 499, Fig. 47.

Liochthonius perpusillus   : Chinone 1974, p- 22, Fig. 64 bis 69.

Material: BML: 1 Ad., Lectotypus, Coll. Michael, mikroskop. Präparat Nr. 1299 vom 25. 8. 1930 (sub Hypochthonius brevis Michael   9/78), A. D. Michael leg.

NRSt: 2 Ad., Coll. Forsslund Mf 3, 2 mikroskop. Präparate (sub Brachychthonius perpusillus Berlese   ), Schweden, Halland, Tönnesjöheden, K.-H. Forsslund leg.   - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund Mf 594, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius perpusillus Berlese   ), Italien, Vallombrosa   GoogleMaps , M. Sellnick leg.   - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund Mf 516b, mikroskop. Präparat, Schweden, Västerbotten, Kulbäcksliden, K.-H. Forsslund leg. 4. 6. 1951.   - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund Mf 92bs, mikroskop. Präparat, Schweden, Västerbotten, Degerfors, Kulbäcksliden. 8.6.1961.   - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund Mf 984, mikroskop. Präparat, Schweden, Dalarna, Ludvika, Koelaberget   GoogleMaps , 29. 7. 1961.   - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund Mf 432, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius perpusillus   ), Schweden, Uppland, Fiby   GoogleMaps , K.-H. Forsslund leg.   - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund Mf 1323, mikroskop. Präparat, England, Hampshire, New Forest   GoogleMaps , 12. 7. 1964.  

UNMB Nr. 0-304-68/E: 2 Ad., (sub Liochthonius perpusillus   ), Österreich, Alpen, E. Piffl. leg.  

Slg. Hirschmann: 1 Ad., Coll. Willmann, mikroskop. Präparat, BRD, Stotelerwald, noerdl . am Gb.   GoogleMaps , C. Willmann leg. 25. 7. 1919.   - Slg. Hirschmann: 1 Ad., Coll. Willmann M 158, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius brevis   ), BRD, Doergener Moor   GoogleMaps , Peus leg. 9. 3. 1926, Nr. 107.  

ZMB Nr. 188/1: 18 Ad., DDR, Steffenshagen bei Greifswald   GoogleMaps , Stieleichen-Birkenwald, M. Moritz leg. 1957 / 1958.   - ZMB Nr. 188/B17: 2 Ad., DDR, Kieshofer Moor   GoogleMaps bei Greifswald, Fichtenstubben und Moos, M. Moritz leg. 16. 3. 1958.   - ZMB Nr. 188/B41: 2 Ad., DDR, Bad Frankenhausen   GoogleMaps , Kyffhäusergebirge, Humus, M. Moritz leg. 24. 9. 1963.   - ZMB Nr. 188/B74: 3 Ad., DDR, Rübeland im Harz, Goethesaal der Baumannshoehle   GoogleMaps , Pflanzenmull, M. Moritz leg. 20. 7. 1964.   - ZMB Nr. 188/B82: 31 Ad., DDR, Bad Frankenhausen, Südrand des Kyffhäusergebirges, Ost-Hang der Katenburg   GoogleMaps , Rohhumus unter Moos und Calluna, M. Moritz leg. 10. 11. 1964.   - ZMB Nr. 188/B89: 4 Ad., DDR, Bad Frankenhausen, Kyffhäusergebirge, SO-exponierter Hang   GoogleMaps , M. Moritz leg. 10. 11. 1964.   - ZMB Nr. 188/B127: 2 Ad., DDR, Südrand des Kyffhäusergebirges, Ochsenkopf   GoogleMaps , Eichengebüsch, Humusauflage, M. Moritz leg. 11. 4. 1967.   - ZMB Nr. 188/B155: 1 Ad., DDR, Insel Ruden   GoogleMaps , Greifswalder Bodden, Kiefernstangenwald, Rohhumus, M. Moritz leg. 27.6.1967.   - ZMB Nr. 188/B269: 9 Ad., DDR, Feldberg Kreis Templin, O-exponierter Buchen-, Weißbuchen-Erlenwald am Schmalen Luzin   GoogleMaps , M. Moritz leg. 5. 9. 1974.   - ZMB Nr. 188/B283: 13 Ad., DDR, NSG Darss   GoogleMaps , W. Karg leg. 1966.   - ZMB Nr. 188/B284: 8 Ad., DDR, Harz, Hohnekamm   GoogleMaps , ca. 800 m, Nadelstreu, Humus und Moos, W. Karg leg. V. 1966.  

In der Sammlung des British Museum (Natural History) London befinden sich 3 mikroskopische Präparate der Kollektion Michael, die mit Hypochthonius brevis Michael   beschriftet sind. Von diesen enthält nur das Präparat mit der Nr. 1299 einen Liochthonius   , der sowohl mit der Originalbeschreibung und Abbildung Michaels als auch der Wiederbeschreibung des Liochthonius perpusillus (Berlese)   durch Forsslund (1942, 1957) sehr gut übereinstimmt. Die schon früher des öfteren geäußerte Vermutung (vgl. Evans 1952, Forsslund 1942, 1957, v. d. Hammen 1959), daß Hypochthonius brevis Michael   (nach Michaels Abbildung 1888, Taf. 94, Fig. 14 ist dies ein Liochthonius   mit langen und velumartig verbreiterten Dorsalborsten vom perpusillus-Typ) möglicherweise mit dem von Berlese 1910a beschriebenen Brachychthonius perpusillus   identisch ist, kann an dieser Stelle vollauf bestätigt werden.

Das betreffende Exemplar in dem Präparat Nr. 1299 der Kollektion Michael wird hier als Lectotypus festgelegt. Die säbelförmig gebogenen und durch ein Randvelum erweiterten Dorsalborsten gleichen denen von Liochthonius perpusillus   . Auch die Borstenlängen, Borstenabstände und Körpermaße entsprechen denen von perpusillus   (vgl. Tabelle 2). Daß dagegen Michael die Rostralhaare gefiedert zeichnet (seine Fig. 14), muß auf einem Irrtum beruhen (vergleiche Evans 1952, p. 227), denn Liochthonius-Arten   mit gefiederten Rostralhaaren und sonst aber glatten Dorsalborsten sind bisher aus dem Untersuchungsgebiet nicht bekannt geworden.

Die 2 anderen genannten Präparate Michaels enthalten einen stark gequetschten Vertreter der Gattung Verachthonius   n. g. ( Präparat Nr. 116) und ein Exemplar von Brachychthonius berlesei Willmann   ( Präparat Nr. 1298).

Die folgenden Zitate von perpusillus Berlese   lassen sich nicht eindeutig Liochthonius brevis (Michael)   zuordnen oder beziehen sich auf andere Arten:

Brachychthonius cf. perpusillus   : Womersley 1945, p. 219, Fig. 1 A -C. Die Tiere sind wesentlich größer und haben deutlich kürzere Dorsalborsten (16 bzw. 13 µm).

Brachjchthonius perpusillus   : Schweizer 1956, p. 227, Abb. 140. Eine Art mit gegabelter Sensilluskeule und kürzeren Dorsalborsten (16 µm).

Liochthonius perpusillus   : Perez-Inigo 1968, p. 197, Fig. 15. Die Tiere haben kürzere Dorsalborsten (c1 = 15 µm).

Liochthonius brevis   : Kunst 1972, p. 544. Fig. 13. Die dargestellten Dorsalborsten sind deutlich kürzer.

Lectotypus, Locus typicus: Der Lectotypus befindet sich als mikroskopisches Präparat der Coll. Michael im British Museum (Natural History), London. Das Präparat trägt die Aufschrift: Hypochthonius brevis Michael   9/78, A. D. Michael, 1930.8.25, Nr. 1299. Das Präparat ist teilweise eingetrocknet. Das Exemplar ist stark gequetscht, so daß die Körperform nicht mehr ermittelbar ist.

Der Locus typicus ist England, Epping Forest   GoogleMaps , in trockenem Sphagnum   .

 

Beschreibung: Die Körperfarbe ist hellgelbbraun. Es kommen daneben aber zahlreiche fast farblose Tiere vor. Prosoma und Opisthosoma sind im gequollenen Zustand deutlich voneinander abgesetzt. Alle Dorsalborsten sind länger als 20 µm und mit velumartiger Randerweiterung.

Das Prodorsum ist annähernd so lang wie breit. Im nicht gequollenen Zustand dagegen bedeutend breiter als lang. Das Rostrum ist sehr breit gerundet. Es ist vom Prodorsum sowohl in der Aufsicht als auch in der Seitenansicht kaum abgesetzt. Vor den Interlamellarhaaren fällt das Seitenprofil rostrad in konvexer Linie stetig ab. Die Rostralhaare sind mit 25 µm länger als alle anderen Prodorsumborsten. Die Lamellarhaare sind rekurv, die Interlamellarhaare prokurv, so daß beide Borstenpaare ihre Spitzen aufeinanderrichten, Der Abstand zwischen den Interlamellarhaaren ist etwas geringer als der zwischen den Lamellarhaaren. Alle Prodorsumborsten besitzen eine schmale und schwer sichtbare, fast hyaline velumartige Randerweiterung.

Sensilluskeule und Sensillusstiel sind gleichlang. Die Keule ist spindelförmig und mit Reihen von 6 bis 7 sehr kräftiger starrer Stachelborsten besetzt. Diese Borsten sind aut der dorsalen Spindelseite doppelt so lang wie auf der Unterseite der Spindel. Die Spindel ist dorsal etwas stärker konvex und erscheint dadurch leicht asymmetrisch.

Der Exobothridialhöcker ist randständig. Vor seiner Vorderseite fällt die Lateralfläche des Prodorsum steiler ab, so daß in der Aufsicht eine auf die Lamellarhaare gerichtete Linie entsteht.

Die 4 interbothridialen Maculapaare stehen dicht beieinander, so daß sich besonders die Maculae des vorderen Paares in der Regel berühren. Die Maculae nehmen von vorne nach hinten an Größe ab.

Das Opisthosoma ist durch eine Schulterbildung des Notogaster vom Prosoma abgesetzt. Alle Notogasterborsten sind seitlich durch ein schmales Randvelum, das mehr dorsad als laterad gerichtet ist, erweitert. Diese Randerweiterungen sind sehr fein und hyalin. Dadurch erscheinen die Borsten in der Aufsicht schmal, während sie in der Seitenansicht auf ganzer Länge mit breiter dorsaler Verbreiterung erscheinen. Die Borsten des mittleren NotogasterSchildes Nm und des Pygidium sind kräftiger und stärker erweitert. Die c1- Borsten erreichen die halbe Länge des vorderen Notogasterschildes. Die d-Borsten überragen den Hinterrand des Schildes um ihre halbe Länge. Die e1- Borsten erreichen eine Länge von 25 bis 50 µm. Die Pygidiumborsten inserieren auf angedeuteten Insertionshöckern.

Der vordere Pleuralschild Pli ist sehr schmal. Sein ungleichmäßig verlaufender Vorderrand ist konkav, so daß der Schild bumerangartig abgeknickt ist.

Systematische Stellung: Liochthonius brevis   bildet zusammen mit einigen sehr ähnlichen Arten eine schwer zu unterscheidende Artengruppe. Unterscheidungsmerkmale liegen in der Kombination von Körpergröße, Borstenlänge, Borstengestalt und -stellung, Sensillusform und Ökologie.

Liochthonius brevis   ist innerhalb der Verwandtschaftsgruppe der Arten mit Randvelumbildung an den Dorsalborsten die Art mit den bisher relativ längsten Dorsalborsten.

Sie ist weit verbreitet und konstant in humusreichen, zum Teil rohhumusartigen Bodenauflagen vorwiegend bewaldeter Standorte mittleren Wassergehaltes anzutreffen.