Eobrachychthonius latior (Berl.)

Forsslund, K. - H., 1957, Notizen über Oribatei (Acari). I, Arkiv för zoologie 10, pp. 583-593: 584-587

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ORI10039

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scientific name

Eobrachychthonius latior (Berl.)
status

 

Eobrachychthonius latior (Berl.)  

Fig. 1-3.

Unter dem Namen Brachychthonius latior   hat Berlese (1910 p. 220) eine Art aus Florida sehr kurz beschrieben und auch abgebildet (Fig. 38). Der Typus befindet sich in Berleses Sammlung ( Präp. 81:11). Leider ist er zum grossen Teil in einer rotbraunen Schmiere eingehüllt und kann daher nicht genau studiert werden. Man sieht jedoch, dass die Sensilli langgestreckt-spulenförmig und mit feinen Härchen versehen und dass die Hysterosoma-Borsten ziemlich kräftig und ungefär 30 µ lang sind. Die Länge des Tieres ist nach meiner Messung ca. 275 µ (nach Berlese 280 µ). Die Stellung der Borsten zeigt, dass die Art der Gattung Eobrachychthonius   angehört. Die Figur ist nicht ganz korrekt gezeichnet. Wie schon Jacot (1936 p. 25) hervorgehoben hat, sind die Rostralborsten und die Borsten a4 und b4 1) (Jacot schreibt c2, was nicht richtig ist) ausgelassen worden. Auf Propodosoma sind nur 2 Paar Dorsalflecke gezeichnet; da diese Flecke oft schwer zu sehen sind, kann man sicher annehmen , dass die übrigen Flecke übersehen worden sind. Es geht auch deutlich aus der Figur hervor, dass diese unter dem Vorderrande des Hysterosomas verschoben sind. Das Ex. ist überhaupt stark kontrahiert, und auch die Grenzen zwischen den dorsalen Hysterosoma-Schildern sind verschoben.

1) Um den Vergleich mit Jacots Beschreibungen zu erleichtern, verwende ich hier seine Bezeichnungen der Borsten.

In Berleses Sammlung findet sich noch ein Präparat von E. latior   (156:45), etikettiert "Sardegna (Bosa) nel musco. 1915". Das Präparat enthält 2 Weibchen mit je 2 Eiern. Man sieht bei diesen Exemplaren deutlich die Borsten, die Bothridien, die Sensilli usw. Die Dorsalflecken des Propodosomas dagegen treten nur äusserst schwach hervor, ebenso die Seitenteile des Hysterosomas. Die Länge der Ex. ist 285 bzw. 290, die Breite 195 bzw. 200 µ. Hysterosoma-Borsten b2 sind ca. 30 bzw. 33 µ lang.

Es kann nicht bezweifelt werden, dass die Ex. aus Florida und Sardinien derselben Art angehören. Ich kann auch keine spezifischen Unterschiede zwischen dieser Art und E. sexnotatus Jac.   von North Carolina finden. Nach Jacot (1936 p. 25) soll sich E. latior   (er schreibt E. latus   , was natürlich ein Druckfehler ist) von E. sexnotatus   dadurch unterscheiden, dass jener, "if the figure is accurate", nur 4 Dorsalflecke auf Propodosoma und keine anderen Dorsalflecken hat und dass die Hysterosoma-Borsten "slightly differently distributed" sind. Diese vermuteten Unterschiede sind jedoch darauf zurückzuführen, dass Berleses Ex., wie oben hervorgehoben, stark kontrahiert ist. Eigentümlicherweise erwähnt Jacot einen Fund von E. latior   aus Illinois mit den Worten "is identical except that it lacks the areoles". Wahrscheinlich handelt es sich auch hier um ein kontrahiertes Ex.

Folgende Namen müssen auch Synonyme von E. latior   sein. Sig Thor (1930 p. 57) beschreibt eine Brachychthonius brevis (Mich.) var. glabra   var. nov. aus Svalbard (Spitzbergen). Aus der kurzen Beschreibung geht kaum mehr hervor, als dass die Form der Gattung Eobrachychthonius   angehört. Die Länge der Tiere gibt Thor als 180-200 µ an, was fehlerhaft ist unter der Voraussetzung, dass die Vergrösserungs- der Fig. I a, Tab. VII, richtig ist. Nach dieser Angabe kann die Länge auf ca. 290 µ und die Länge der Hysterosoma-Borste b2 auf ca. 32 µ festgestellt werden. Das passt gut für E. latior   , und die etwas undeutlichen Photographien (Tab. VII fig. I a-b) widersprechen nicht dieser Deutung. Ich habe jetzt ganz typische Ex. von E. latior   aus Spitzbergen gesehen, und man dürfte daher behaupten können, dass var. glabra   dieser Art angehört.

Brachychthonius grandis Selln.   (in Hammer 1944 p. 40) ist eine grosse, farblose Art aus Grönland. Sellnick gibt eine Länge von 314 µ an. Nach meiner Messung ist das Tier noch grösser: Länge 335 µ, Breite 200 µ. Ausser durch die Grösse soll sich diese Art von E. latior   dadurch unterscheiden, dass bei ihr die dorsalen Propodosoma-Flecke fehlen und dass die Sensilli kürzer sind. Hierzu ist zu sagen, dass bei farblosen Ex. gar keine Flecke sichtbar sind und dass Berlese die Sensilli des E. latior   zu lang gezeichnet hat. Die Grösse von grandis   ist kein Einzelfall, ich habe ein gleich grosses Ex. aus Tirol gesehen. Die von Sellnick erwähnte kleine elliptische Grube innenseits der vordersten Randborste des ersten Hysterosoma-Schildes kommt auch bei E. latior   aus anderen Orten vor. Hysterosoma-Borste b2 des grandis-Typus ist 34 µ lang. Aus diesen Gründen halte ich auch B. grandis   als ein Synonym von E. latior   .

Die Synonymie dieser Art dürfte also folgendermassen aussehen:

Eobrachychthonius latior (Berl.)   1910.

Syn.: Brachychthonius brevis (Mich.) var. glabra S. Thor   1930.

Eobrachychthonius sexnotatus Jacot   1936.

Brachychthonius grandis Selln.   1944.

E. latior   kann durch folgende Merkmale charakterisiert werden:

1. Farbe bei ausgefärbten Tieren hell gelb-rotbraun. 2. Länge 270 ( sexnotatus   nach Jacot, 1 Ex. aus Grönland) -335 µ ( Grönland, Tirol), im Durchschnitt 300 µ (15 Ex. aus verschiedenen Gegenden); Breite 185-200 µ. 3. Zwischen den Lamellarhaaren eine schmale, nach vorne schwach bogenförmige Leiste. 4. Sensilli langgestreckt spulenfoermig , spitz, mit dichten, sehr kleinen Härchen besetzt, ohne Stiel ausserhalb der Bothridien-Öffnung. 5. 3 Paar dorsale Propodosoma-Flecke; von vorn gerechnet ist das Verhältnis Länge: Breite ungefähr 1:2, 1:2, 5, 1: 2,25. Betreffs der übrigen Dorsalflecke siehe Fig. 2. 6. Borsten kräftig und spitz auslaufend aber nicht lanzettenfoermig ; Hysterosoma-Borste b2 30-38 µ lang, c1 erreicht nicht den Festpunkt von c2. 7. Das zweite Haar am Innenrande der Genitalplatten ist ein wenig vom Rande entfernt. 8. Das Aggenitalhaar sitzt auf dem Hinterende eines dreieckigen Schildchens .

Die Verbreitung von E. latior   ist also sehr gross. Bis jetzt kenne ich folgende Fundorte:

U.S.A. Florida, Lake City, in Moos (Berlese 1910 p. 220). North Carolina, Glen Bald, Bent Creek Experimental Forest, Andropogon-Boden 17/4. 1935 (Jacot 1936 p. 25). Illinois, Marshall, Grass-Boden 2/1 1933 (Jacot 1936 p. 25).

Canada. Richardson Mountains, in trockenem Moos, Lebermoos und Cassiope   nahe an einer Schneewehe (Hammer 1952 p. 16).

Grönland. W.- Grönland, Upernivik 30/6 1936 (nach Beschriftung des Präparats; Hammer 1944 p. 40, als Brach. grandis   ). Godthaab 1933 (nach Beschriftung des Präparats; Hammer 1944 p. 40, als Brach. laetepictus   ). - An der Westküste 69°45' nördl. Breite 1949 (Strenzke 1952 p. 90).

Jan Mayen. Mehrere Funde (Macfadyen 1954 p. 287).

Svalbard (Spitzbergen). Aus Moos bei Hiorthhamn (S. Thor 1930 p. 58). Sassendalen, Moos in Saxifraga oppositifolia   -Dryas-Heide 27/7 1954, 1 Ex.; Longyear-byen, in Moos 4/8 1954, 17 ad. 4 juv. (A. Holm leg.).

Britische Inseln. (Turk 1953 p. 86; Strenzke 1955 p. 22, Evans leg.)

Schweden. Smaland, Moheda, Akhultsmossen VIII. 1949, in Sphagnum   (Tarras-Wahlberg 1952 p. 2, 1954 p. 168). Jämtland, Medstugan 7/7 1949, Humus unter Calluna   (M. Sellnick leg.) Västerbotten, Degerfors, Kulbäcksliden und Svartberget 1932-1951, ziemlich häufig in Rohhumus in Nadel- und Mischwäldern verschiedener Typen, besonders in der H-Schicht, auch in Sphagnum   (Forsslund 1943, 1945 p. 349). Torne Lappmark, Abisko 1946 (P. Dalenius leg.).

Belgien. Hockai, Fagne Renard-Fontaine, Sphagnetum 12/5 1939 (Cooreman 1941 p. 5).

Deutschland. Ostpreussen, Zehlaubruch, Sphagnum-Polster 26/10 1910, sumpfige Randzone, Mooskappen um den Wurzelhals der Stämme 12/4 1921 (Sellnick 1929 p. 330).

Italien. Sardinien (Bosa), in Moos 1915 (Coll. Berlese). Tirol, Brennero, Spina di Lupo, 2775 m ü.M. 23/8 1950 (K. Schmöltzer leg.).