Liochthonius hystricinus

Moritz, M., 1976, Revision der europäischen Gattungen und Arten der Familie Brachychthoniidae (Acari, Oribatei) Teil 1. Allgemeiner Teil: Brachychthoniidae Thor, 1934. Spezieller Teil: Liochthonius v. d. Hammen, 1959, Verachthonius nov. gen. und Paraliochthonius nov. gen., Mitteilungen aus dem Zoologischen Museum in Berlin 52, pp. 27-136: 66-68

publication ID

ORI10013

persistent identifier

http://treatment.plazi.org/id/B9CB548F-CFE1-466C-DA7F-A6A1E6FABAD4

treatment provided by

Thomas

scientific name

Liochthonius hystricinus
status

 

Liochthonius hystricinus   (Forsslund, 1942) (Abb. 14)

Brachychthonius hystricinus Forsslund   , 1942, p. 4, Fig. 5.

Brachychthonius hystricinus   : Strenzke 1951, p. 238.

Brachychthonius ocellatus Hammer   , 1952a: p. 19, Fig. 10, nov. syn.

Brachychthonius hystricinus   : Sellnick 1960, p. 84.

Hammer hat 1952a nach einem einzigen Exemplar aus Canada, Yellow Knife, einen Brachychthonius ocellatus   beschrieben, der mit L. hystricinus (Forsslund)   identisch ist, wie ein Vergleich der Typusexemplare beider Arten ergeben hat. Das Exemplar aus Canada weicht lediglich durch seine stärkere Sklerotisierung und die als Dorsalflecke deutlicher hervortretenden Ansatzflächen der Dorsoventralmuskulatur von europäischen Tieren ab. Von Chinone & Aoki (1972, p. 248, Fig. 88 bis 93) wird aus Japan ein Liochthonius hystricinus   beschrieben, der aber mit hystricinus Forsslund   nicht identisch ist, sondern eine neue Art mit zweispitziger Sensilluskeule der lapponicus-Gruppe darstellt.

Material: NRSt: 1 Ad., Holotypus, Coll. Forsslund Mf 315a, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius hystricinus   ), Schweden, Västerbotten, Kulbäcksliden, K.-H. Forsslund leg. 10. 7. 1937.   - NRSt: 2 Ad., Paratypen, Coll. Forsslund Mf 227a, 1 Ad., Paratypus, Coll. Forsslund Mf 227b, mikroskop. Präparate (sub Brachychthonius hystricinus   ), Schweden, Svartberget   GoogleMaps , K.-H. Forsslund leg.   - NRSt: 1 Ad., Coll. Forsslund Mf 988, mikroskop. Präparat, Schweden, Lycksele, Lappmark, Stensele, Kyrkberget   GoogleMaps , H. W. Waldén leg. 24. 7. 1961.  

AIO: 1 Ad., Coll. Hammer, mikroskop. Präparat (sub Brachychthonius ocellatus Hammer   , Holotypus), Canada, Yellow Knife   GoogleMaps Nr. 373, M. Hammer leg. 1948.  

ZMB Nr. 99/I: 8 Ad., DDR, Steffenshagen bei Greifswald   GoogleMaps , Stieleichen-Birkenwald, Streuschicht, M. Moritz leg. 1957 / 1958.   - ZMB Nr. 99/III: 10 Ad., DDR, Helmshagen bei Greifswald   GoogleMaps , Stieleichen-Buchen-Altbestand, Streuschicht, M. Moritz leg. 1958.   - ZMB Nr. 99/lV: 7 Ad., DDR, Greifswald, Elisenhain bei Eldena   GoogleMaps , Buchen-Stieleichen-Hainbuchen-Wald, Streuschicht, M. Moritz leg. 1957.   - ZMB Nr. 99/B187: 1 Ad., DDR, Süd-Harz, Uftrungen, Buchen-Stieleichen- Altbestand an der Heimkehle   GoogleMaps , Streuschicht, M. Moritz leg. 21. 8. 1968.   - ZMB Nr. 99/U 4: 1 Ad., Ungarn, NW-Auslaeufer des Bueckgebirges , SO-exponierter Loesshang   GoogleMaps , Grassteppe, M. Moritz leg. 25. 9. 1964.   - ZMB Nr. 99/U32: Ungarn, Magyarszek, noerdl . Meczekgebirge   GoogleMaps , Traubeneichen-Buchenwald, Streuschicht, M. Moritz leg. 5. 10. 1964.  

Holotypus, Locus typicus: Der Holotypus wird in einem mikroskopischen Präparat Nr. Mf 315 a der Coll. Forsslund im Naturhistoriska Riksmuseet Stockholm aufbewahrt. Das Exemplar ist leicht geschrumpft. Der Locus typicus ist Schweden, Västerbotten, Kulbäcksliden, Streuschicht in einem Mischwald vom Geranium-Typ.

Es konnten 3 weitere Exemplare in 2 mikroskopischen Präparaten (Nr. 227ab) untersucht werden, die von Svartberget stammen. Diese Präparate sind ohne Fundortangaben. Die gleiche originalhandschriftliche Aufschrift Forsslunds und die niedrigen Fundortnummern sprechen aber dafür, daß diese Exemplare Forsslund 1942 vorgelegen haben müssen.

Beschreibung: Die Farbe ist grauweiß bis gelbbraun. Der Körper ist breit und gedrungen. Stärker sklerotisierte Tiere zeigen die Maculae der Muskelansatzflächen sehr deutlich. Die piliformen Dorsalborsten sind sehr lang und dünn, sie sind nicht erweitert sondern im Querschnitt rund.

Das Prodorsum ist deutlich breiter als lang und sitzt mit breiter Basis dem Opisthosoma an. Das Rostrum ist ebenfalls breit gerundet und deutlich abgesetzt. Die etwas geschwungenen Rostralhaare sind im Durchschnitt 30 µm lang, aber kürzer als die Lamellar- und Interlamellarhaare. Die Lamellarhaare sind caudo-mediad gebogen und doppelt so weit voneinander entfernt wie die Rostralhaare. Die Interlamellarhaare sind gerade.

Der Sensillus besteht aus einem langen und dünnen, s-förmig gebogenen Stiel und einer scharf abgesetzten, etwas kürzeren Keule. Die Keule ist parallelseitig, im Querschnitt rund, distal breit abgerundet und leicht nach unten gebogen. Sie ist mit wenigen, sehr spitzen und kräftigen Stachelborsten besetzt, die in Längsreihen angeordnet sind. Die 5 bis 6 dorsalen Stachelborsten sind bedeutend länger und dicker als die lateralen und ventralen Borsten, die am kleinsten sind. Der Bothridiumbecher ist auffallend groß und besonders an seiner Vorderseite aufgewölbt.

Die Exobothridialhöcker sind deutlich erkennbar. Sie stehen auf flachen Aufwölbungen des lateralen Prodorsum.

Die vorderen 3 interbothridialen Maculae nehmen von vorne nach hinten an Größe stark ab. Die beiden Maculae des vorderen Paares sind um ihren Durchmesser voneinander entfernt, während die des 3. Paares sich fast berühren.

Das Opisthosoma ist breit und kurz. Es sind an seiner Vorderkante deutliche Schulterecken ausgebildet. Die dünnen Notogasterborsten sind lang und gerade. Die durchschnittliche Länge der vorderen 3 Borstenquerreihen schwankt zwischen 45 und 60 µm. Die c1- Borsten sind fast so lang wie der vordere Notogasterschild und inserieren am vorderen Notogasterrand. Ihr Abstand voneinander ist größer als der der e1- Borsten. Die e1- Borsten sind so lang oder länger als der vordere Notogasterschild Na. Die Länge der Dorsalborsten schwankt zwischen den einzelnen Populationen beträchtlich und dürfte standortsabhängig sein.

Systematische Stellung: Liochthonius hystricinus   unterscheidet sich von L. perfusorius   n. sp. durch die keulenförmige Sensilluskeule, die mit einzelnen großen starren Stachelborsten besetzt ist. Die Art ist dagegen mit Liochthonius tuxeni (Forsslund)   sehr nahe verwandt und unterscheidet sich von dieser u. a. durch die viel längeren Dorsalborsten. Der Sensillustyp weist L. hystricinus   in die brevis-Gruppe. Hier nimmt sie allerdings durch die Längenentwicklung der Dorsalborsten und die Keulenform des Sensillus eine Extremstellung ein.